Sport : Geldstapel statt Sparpakete

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Spätestens seit der WM 1974 weiß der Deutsche Fußball-Bund, wie viel Brisanz im Thema Prämien steckt. Damals wäre Bundestrainer Helmut Schön beinahe zurückgetreten, weil die Spieler, angeführt von Paul Breitner und Franz Beckenbauer, kurz vor der WM die Siegprämie von 30 000 Mark neu verhandeln wollten (man einigte sich schließlich auf 70 000 Mark). Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum sich der DFB mit dem deutschen Team vor dieser WM in Südafrika relativ problemlos auf 250 000 Euro pro Spieler geeinigt hat. Die Diskussion tobt diesmal in Spanien.

„Überzogen, beschämend und obszön“ nennt ein spanischer Linkspolitiker die Siegprämie beim WM-Titelfavoriten. 600 000 Euro würden die Spieler jenes EU-Landes erhalten, das tief in der Finanz- und Schuldenkrise steckt und dessen Bonität von den Ratingagenturen zuletzt heruntergestuft worden war. Einer spanischen Zeitungsumfrage zufolge beurteilten 93 Prozent diese WM-Prämie als „exzessiv“. Die Selección macht sich mit dieser horrenden Summe nachhaltig unbeliebt. Während ihre Landsleute Sparpakete schnüren, wollen die Spieler Geldpakete stapeln.

Aber, und das ist das Kuriose: Sollten die Spanier am 11. Juli tatsächlich siegen, wird das Land in einen wochenlangen rot-gelb-roten Taumel fallen. Und in der gleichen Umfrage würden 93 Prozent sagen: Egal, sie haben es sich verdient. So widersprüchlich ist nur der Fußball.

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