Sport : Gelernt ist gelernt

Van Buriks spätes Tor beschert Hertha einen 3:2-Sieg im Uefa-Cup-Spiel gegen Porto

Michael Rosentritt

Berlin . Es ist gestern Abend nicht so richtig klar geworden, wem die Spieler von Hertha BSC ihre Aufmerksamkeit geschenkt hatten in den vergangenen drei Tagen: ihrem Trainer Huub Stevens oder aber doch den in Berlin erscheinenden Zeitungen. Die hatten nämlich im Vorfeld des Hinspiels im Uefa-Cup-Achtelfinale gegen Boavista Porto viel geschrieben. Vor allem über die nur bedingt vorhandene sportliche Qualität des Gegners. Am Ende hatten die Zeitungen Recht behalten, und Stevens war trotzdem wütend. Nach dem knappen 3:2 (2:1)-Sieg der Berliner über die schwachen Portugiesen vor gerade mal 15 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion hat der Holländer nun erst einmal eine Woche Zeit, seinen Spielern eindringlich zu vermitteln, dass man auch einen harmlosen Gegner nicht unterschätzen darf. Denn in einer Woche findet das Rückspiel in Porto statt.

Ein Seitfallzieher in der Nachspielzeit bewahrte die Berliner vor einem Rückfall in triste Zeiten. „Wir haben mehrere Optionen. Jedes Unentschieden reicht uns jetzt“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Ein bisschen Zweckoptimismus klang bei diesen Worten schon durch. Abwehrchef Dick van Burik hatte erst Sekunden vor dem Abpfiff zum 3:2 getroffen. „Das ist ein gefährliches Resultat. Wenn wir in Porto so wenig aggressiv spielen wie diesmal, dann brauchen wir dort gar nicht erst hinzufahren“, schimpfte Huub Stevens.

Den Hertha-Trainer konnte nicht mal der wirklich sehenswerte Siegtreffer versöhnlich stimmen. „Ich bin unheimlich enttäuscht“, knurrte Stevens. „Ich habe wohl gegen eine Wand geredet, als ich meine Mannschaft auf das Spiel eingestimmt habe.“ In der Tat werden sich die Berliner Profis fragen lassen müssen, wo sie ihre aufsteigende Form gelassen haben, die ihnen in den vorangegangenen beiden Bundesligaspielen Siege gegen Schalke 04 und bei Borussia Mönchengladbach eingebracht hatte. Denn das, was die Mannschaft gegen Boavista Porto zeigte, entsprach nicht annähernd gehobenen internationalen Ansprüchen. Schon unter ästhetischen Gründen war es ein, nun ja, denkbar unansehnliches Gekicke.

Die Spieler beider Mannschaften trafen zeitweise öfter Verdruss bringend die gegnerischen Beine denn Erfolg versprechend den Ball. Der englische Schiedsrichter Graham Barber hatte schon zur Halbzeit vier Gelbe Karten gezeigt, paritätisch verteilt. Dabei hatte es aus Berliner Sicht so viel versprechend angefangen. Schon nach einer Viertelstunde wuchtete Alex Alves eine Kopfballverlängerung von Michael Preetz aus der Luft zur 1:0-Führung ins Netz. Es war kaum nachzuvollziehen, warum die so biederen Portugiesen nach diesem frühen Rückstand überhaupt noch einmal zurück in Spiel fanden, ja in der 37. Minute durch Rui Oscar sogar den Ausgleich schafften. Doch da abermals Alves mit seinem fünften Tor in diesem Jahr noch vor der Pause die erneute Berliner Führung gelang, hätte es immer noch zu einem geruhsamen Berliner Abend reichen sollen. Die Führung stimmte Stevens auch nicht bgerade versöhnlich. „Ich hätte zur Halbzeit jeden auswechseln können“, sagte er.

Womit niemand mehr gerechnet hatte: Wieder kam der Tabellenelfte der portugiesischen Liga zurück ins Spiel. Und das schafften die Portugiesen nicht dank eigener Stärke. Hertha tat einfach viel zu wenig, ignorierte auch das Warnsignal von Porto als Pedrosa den Torpfosten traf. Zehn Minuten vor Schluss schienen die Herthaner am Boden, als Goulart nach einer unübersichtlichen Situation zum 2:2 traf. „In der zweiten Halbzeit haben wir kaum noch Zweikämpfe gewonnen“, kritisierte Dick van Burik. „Das hätte ins Auge gehen können.“

Ging es aber nicht, weil ausgerechnet der nicht unbedingt bei den Gegnern als Torjäger gefürchtete Dick van Burik in der Nachspielzeit auf überaus attraktive Art den Siegtreffer erzielen konnte. „Das war doch nichts Besonderes“, sagte der Holländer als Ausdruck seiner Bescheidenheit. Für ihn kam das spektakuläre Tor auch nicht von ungefähr. „Ich habe in der Jugend zehn Jahre bei Ajax Amsterdam als Stürmer gespielt. Da lernt man so etwas.“

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