Sport : Geliebte Langeweile

TuS Makkabi II kehrt zurück in den Kreisliga-Alltag

Lars Spannagel

Berlin - Ilja Slawinski ist zufrieden. Sechs Stammspieler musste der Trainer von TuS Makkabi II am Sonntag in der Fußball-Kreisliga gegen den SV Berliner Brauereien ersetzen, er freut sich über das 0:0. Und nicht nur darüber: „Der Schiedsrichter war normal, der Gegner war normal, alles war normal“.

Mehr verlangen die Makkabi-Fußballer ja gar nicht.

Alles andere als normal war nämlich Makkabis Spiel am 26. September bei der VSG Altglienicke II. Die Spieler des jüdischen Vereins wurden von Zuschauern beleidigt und bedroht, nach Beschimpfungen wie „Vergast die Juden“ brachen sie das Spiel in der 78. Minute ab.

In Altglienicke war die Mannschaft schon angepöbelt worden, bevor sie überhaupt das Spielfeld betreten hatten. Eine Gruppe Zuschauer brannte bengalische Feuer ab und grölte antisemitische Parolen. „Wir haben gedacht: Wo sind wir denn hier gelandet?“ sagt Makkabi-Spieler Konstantin Shapiro. In Altglienicke kam er fünf Minuten vor Spielabbruch aufs Feld, heute ist er verletzt und steht im Kapuzenpullover an der Außenlinie. Zwei andere Makkabi-Spieler sind gar nicht erst mit nach Prenzlauer Berg gefahren. „Die haben keine Lust mehr, in östlichen Bezirken zu spielen“, sagt Shapiro.

Ein paar Meter von Shapiro und den Auswechselspielern entfernt beobachten zwei Männer das Geschehen. Die beiden Zivilpolizisten rechnen nicht damit, dass sie eingreifen müssen. Trotzdem: „Sollte etwas passieren, haben wir in zwei bis drei Minuten vier Funkwagen hier.“ Vor Spielbeginn haben sie Schiedsrichter Onur Demirkol über die Vorfälle in Altglienicke informiert. Der 20-Jährige war überrascht, als die beiden Männer ihn ansprachen. Vom Verband hatte ihn niemand vorgewarnt.

Demirkol leitet das Spiel souverän, sein Kollege vom 26. September soll mehr Probleme gehabt haben. „In Altglienicke hat der Schiedsrichter einen großen Teil dazu beigetragen, dass alles eskaliert ist“, meint Shapiro. Am Dienstag muss das Sportgericht des Berliner Fußball-Verbands (BFV) unter anderem entscheiden, welche Rolle der Schiedsrichter in Altglienicke gespielt hat. Er hatte im Spielbericht angegeben, keine Pöbeleien gehört zu haben.

Ein 0:0 in der Kreisliga ist so ansehnlich wie es sich anhört. Alle paar Minuten drischt jemand den Ball über den Zaun und ein anderer Spielball muss her. Spieler foulen, werden gefoult, fallen hin, stehen wieder auf. Als ein Makkabi-Stürmer nach einem Pressschlag kurz liegen bleibt, brüllt der Kapitän vom SV Brauereien seinen Mitspieler an: „René! Ins-Aus-spielen! RENE!“ Bloß nicht unfair wirken – wer weiß, wer alles zuguckt.

Ein Fernsehteam vom RBB baut sich Mitte der zweiten Halbzeit an der Seitenlinie auf, die Reporterin fragt nach dem Trainer von TuS Makkabi. Die Auswechselspieler zeigen auf Slawinski, der als Aushilfslinienrichter mit Fahne in der Hand das Spiel verfolgt. Die Reporterin glaubt nicht, dass man gleichzeitig Trainer und Unparteiischer sein kann: „Ihr verarscht mich, oder?“

Demirkol pfeift ab, die Teams verabschieden sich mit einem „einfachen – gut – Sport!“ Auf dem Weg zu den Kabinen passieren die Spieler ein Schild des BFV: „Kein Platz für Gewalt.“ Die Polizisten gehen, einige Spieler stehen in Badelatschen noch eine Zeit lang vor den Umkleidecontainern und rauchen, der Rest ist schon duschen.

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