Sport : Geliebter Feind

Der Basketballer Denis Wucherer hätte gerne für Alba Berlin gespielt – heute kommt er mit Ostende

Benedikt Voigt

Berlin - Es hat Jahre gegeben, als Denis Wucherer in Berlin nicht gern gesehen wurde. „Das war die Rivalität“, erinnert sich der deutsche Basketballprofi, „aber das war nichts Persönliches.“ Damals spielte er für Bayer Leverkusen und lieferte sich mit Alba Berlin in den Neunzigerjahren regelmäßig ein hartes Duell um den Meistertitel. Später hätte er sogar gerne für den Rivalen gespielt. „Ich habe immer gehofft, dass ein Angebot aus Berlin kommt“, sagt Wucherer, „das wäre eine tolle Erfahrung gewesen“. Das Angebot kam nie.

Wenn er heute in der Max-Schmeling-Halle (20 Uhr) auftritt, wird er wieder einmal das Trikot des Gegners tragen. Diesmal das des belgischen Teams Telindus Ostende. Für die Berliner ist das heutige Uleb-Cup-Spiel die bisher wichtigste Partie der Saison, eine Niederlage könnte sie im Kampf ums Weiterkommen vorentscheidend zurückwerfen. „Das Spiel ist für uns wichtiger als das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Ludwigsburg“, sagt Albas Trainer Henrik Rödl. Es dürfte seinem Team helfen, dass für Ostende die Partie nicht so bedeutsam ist. „Für uns geht es um nicht mehr viel“, sagt Wucherer. Zwar besitzt Ostende noch theoretische Chancen auf Platz vier. „Aber das ist nicht realistisch, wenn man im Uleb-Cup drei Heimspiele verloren hat“, sagt er.

Zu unkonstant sind die Leistungen des Belgischen Meisters. Zwar konnte Ostende im Uleb-Cup überraschend gegen Chimki Moskau und bei Hapoel Jerusalem gewinnen. „Aber die Mannschaft funktionierte noch nicht richtig“, sagt Wucherer. Deshalb musste Trainer Mihaljo Uvalin gehen, der israelische Coach Sharon Ducker übernahm. „Das ist eine neue Chance für alle, auch für mich“, sagt Wucherer. Seine Saison ist bislang mäßig, im Uleb-Cup kam er in durchschnittlich 17 Minuten auf 2,7 Punkte. „Ich hatte Probleme mit dem alten Coach“, erklärt er.

Denis Wucherer zählt zur Basketballer-Generation der späteren Neunzigerjahre, deren Karriere sich wie bei Ademola Okulaja und Patrick Femerling dem Ende nähert. Der 33-Jährige besitzt in Ostende noch einen Vertrag bis 2008. „Dann bin ich 35 Jahre alt, mal sehen, ob es mir dann noch Spaß macht“, sagt Wucherer.

Im Sommer hat er bereits im Trainingslager des Nationalteams auf Mallorca bemerkt, dass er nicht mehr das nötige Feuer besitzt. „Ich war insgesamt ausgelaugt und habe gesehen, dass andere nachrücken, die körperlich fitter sind“, sagt Wucherer. Überraschend erklärte er seinen Rücktritt aus dem Nationalteam.

In der Bundesliga spielen inzwischen mehrheitlich Amerikaner, was er als Vorstand der deutschen Spielergewerkschaft Spin oft kritisiert. „Es gibt zu wenig deutsche Spieler und eine zu hohe Fluktuation“ sagt er. Bei Alba sei das nicht so, trotzdem dürften sich einige Berliner Fans heute in der Max-Schmeling-Halle durchaus freuen, ein bekanntes Gesicht beim Gegner zu sehen. Die Pfiffe dürften nicht mehr so laut ausfallen wie früher. Vieles ist einfach nicht mehr so wie zu Beginn seiner Karriere.

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