Sport : Geliebter Rasen

Roger Federer verteidigt in Wimbledon seinen Titel

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London Wieder sank er auf die Knie. Das hatte Roger Federer schon vor einem Jahr getan, als er in Wimbledon erstmals gewonnen hatte. Diesmal wiederholte er die Geste. „Es ist immer noch ein unglaubliches Gefühl, wieder hier als Sieger zu stehen“, sagte er später. Mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4 hatte der Schweizer den an Nummer zwei gesetzten Andy Roddick geschlagen. Der Rasen scheint sein liebster Untergrund zu werden, seit 24 Spielen ist er auf diesem Boden ungeschlagen.

In zweieinhalb Stunden Spielzeit hielt Federer dem US–Amerikaner Andy Roddick stand, obwohl dieser beim Aufschlag beinahe mit brachialer Gewalt zu Werke geht. Allerdings hatte er in der Anfangsphase doch erhebliche Mühe. „Ich habe mich erkältet. Aber das darf in einem Wimbledon-Finale keine Rolle spielen“, sagte der Champion. Später gab er zu: „Ich hatte auch etwas Glück.“

Für die erste Titelverteidigung in Wimbledon seit Pete Sampras im Jahre 2000 kassierte Roger Federer ein Preisgeld von 900 000 Euro. Für Andy Roddick hingegen wird der Schweizer immer mehr zum Angstgegner. Bereits im Wimbledon-Halbfinale 2003 hatte er gegen ihn verloren, seit Sonntag unterlag er nun schon im sechsten von sieben Vergleichen. Dass Roddick vom Preisgeld immerhin noch die Hälfte bekam, dürfte ihn aber nicht darüber hinweg trösten, dass er erneut in Wimbledon nicht gewinnen konnte.

Es kam fast einem Wunder gleich, dass die Endspiele im verregnetsten Wimbledon seit Menschengedenken pünktlich beginnen konnten. Dass es nicht ohne Regen weiterging, war für das diesjährige Turnier fast folgerichtig. Doch immerhin musste das Match lediglich zweimal etwas länger unterbrochen werden und nicht – wie in den vergangenen Tagen – stundenlang.

Als die Finalisten am Sonntag erstmals vom einsetzenden Regen gestoppt wurden, dürfte Federer glücklicher darüber gewesen sein. Gerade hatte er seinen Aufschlag verloren und war bei dem Versuch eines Rebreaks trotz vier großer Chancen gescheitert. Doch auch nach der Zwangspause bei 2:3-Rückstand lief es beim Titelverteidiger nicht rund.

So leicht es der Top-Favorit in der mit 6:2, 6:3, 7:6 (8:6) gewonnenen Halbfinal-Hängepartie gegen Mayer-Bezwinger Sebastien Grosjean aus Frankreich hatte, so knifflig gestaltete sich die Aufgabe gegen Roddick. Der Amerikaner wirkte sogar frischer, obwohl er beim 6:4, 4:6, 7:5, 7:5 gegen den Kroaten Mario Ancic im Halbfinale ungleich länger und härter hatte kämpfen müssen. „Aber wenn man im Finale steht, spielt das keine Rolle“, meinte der 21-Jährige.

Der US-Open-Sieger, der bis auf zwei Pleiten gegen Federer eine ähnlich beeindruckende Rasen-Bilanz (21:2) aufzubieten hat, machte weiterhin gefährlich Druck. Doch die Dominanz des Weltranglisten-Ersten konnte er nicht brechen. Für Federer war es nach den Australian Open der zwei Grand-Slam-Sieg des Jahres und der dritte insgesamt. So viel Glück benötigte er freilich noch nie. „Mozart des Tennis“ hatte man Roger Federer im vergangenen Jahr in London genannt. Inzwischen wird er bereits mit Pete Sampras verglichen.Tsp/dpa

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