Sport : Gelöster Realismus

Alba will das Selbstvertrauen aus dem Bamberg-Sieg gegen Podgorica nutzen

von
Nicht nur gut gebrüllt. Derrick Allen und seine Mitspieler glauben seit Sonntag, jeden Gegner besiegen zu können. Foto: dapd
Nicht nur gut gebrüllt. Derrick Allen und seine Mitspieler glauben seit Sonntag, jeden Gegner besiegen zu können. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Gordon Herbert war nicht amüsiert. Alba Berlin hatte am Sonntagabend die Baskets Bamberg gerade 87:81 geschlagen, die wiederum am Donnerstag noch gegen den Europaliga-Champion Panathinaikos Athen gewonnen hatten. Und nun kam die Frage, wo Alba sich denn da einordnen müsste. Während die Zuhörenden lachten, wollte der Trainer sich nicht mit dem Titel Europaligasiegerbesiegerbesieger schmücken. „Das waren zwei verschiedene Spiele“, sagte der Kanadier mit unbewegter Miene. „Wir sind noch nicht die Mannschaft, die Bamberg ist, sie bleiben der Maßstab.“ Aber es sei ein guter Schritt in dem oft von ihm bemühten Prozess der Meistermannschaftswerdung.

Gelöst-realistisch ließ sich die Stimmung nach dem Sieg in einem „der größten Spiele des Jahres“ (Topscorer Derrick Allen) beschreiben. Selbst Heiko Schaffartzik, der Bamberg zuvor noch mit einer Videobotschaft provoziert hatte, sagte, es sei „nur ein Spiel, die Play-offs beginnen erst im Mai“. Den Berlinern war bewusst, dass sie den Deutschen Meister im Schlussviertel mit einer Willensleistung mehr niedergerungen als -gespielt hatten. Das bezog sich nicht nur auf die Mannschaft. Auch die Fans waren aufgekratzt wie selten, im Heimblock roch es stärker nach Schweiß als in mancher Umkleidekabine. „Der Glaube ist jetzt da“, stellte Geschäftsführer Marco Baldi fest. Publikum und Team wüssten nun, dass man jeden Gegner, auch Bamberg, mit hoher Intensität schlagen könne. „Wir haben gezeigt, dass die Meisterschaft für Bamberg noch längst nicht gewonnen ist“, sagte Center Yassin Idbihi – und meldete eigene Ansprüche auf den Titel an. „Für uns Spieler wäre alles andere als die Meisterschaft eine Enttäuschung.“

Offensiv tat sich Alba schwer, gute Würfe herauszuspielen. Viel hängt noch davon ab, dass Einzelkönner DaShaun Wood (17 Punkte, acht Assists) mit seinen Dribblings zum Korb Räume schafft. Gegen den Rivalen kompensierten das Allen (20 Punkte, sechs Rebounds), Idbihi (zwölf Punkte, sieben Rebounds) und Schaffartzik (elf Punkte) mit Furchtlosigkeit und Kampfesmut. Verantwortlichen und Spielern ist klar, dass das Team nicht alle Saisonspiele mit dieser Intensität bestreiten kann. Das könnte schon am heutigen Dienstag zum Problem werden, wenn es im Eurocup gegen Buducnost Podgorica geht (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof). Baldi befürchtet „ein emotionales Durchpusten, nachdem man vor dem Bamberg-Spiel eine Woche mit den Hufen gescharrt hat. Da wird es besonders schwer umzuschalten.“ Dass am Samstag das nächste Spitzenspiel beim FC Bayern ansteht, könnte ebenfalls ablenken.

Bei einem Alba-Profi besteht dieses Risiko heute nicht. „Ich freue mich darauf, die Jungs wiederzusehen“, sagte Marko Simonovic. Der Serbe war bis zum Sommer noch Kapitän des Klubs aus Montenegro.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben