Sport : Gelsenkirchener Barock

Man weiß es nicht, man weiß es nicht - und am Ende ist doch alles nur ein großes Ablenkungsmanöver. Am Ende kommt noch Wanderley Luxemburgo, Brasiliens vormaliger Nationaltrainer, zur Hertha, um dort Jürgen Röber zu beerben - wegen des Namens, nur wegen des Namens (und Winfried Schäfer wird Coach in Schalke, der Frisur wegen, nur der Frisur wegen). Aber nun gut, setzen wir mal voraus, dass stimmt, was die halbe Welt außerhalb von Gelsenkirchen zu wissen glaubt und Huub Stevens, der Holländer von Schalke, ist Herthas neuer Mann.

Warum Stevens? Passt er zu Berlin? Fangen wir oben an, am Kopf, dort trägt Stevens Nicholson. Also jene Haarpracht, wie sie auch der amerikanische Schauspieler bevorzugt. Das spricht für Stevens, für Affinität zur Kultur - das braucht man in Berlin - und für die Symbiose von Film und Fußball, Kunst und Körper - das braucht man auch. Des Weiteren war Stevens Spieler, Nationalspieler der Niederlande gar, kickte für Fortuna Sittard und später für den PSV Eindhoven. Gesucht für Hertha war ja ein Mann mit dem Siegergen. Das wurde Stevens gewiss in Sittard eingepflanzt (wenngleich man außerhalb Sittards nicht so recht weiß, wo Sittard liegt) und weitergebildet bei Philipps in Eindhoven, ein prima Team zu seiner Zeit.

Das Outfit. Stevens trägt Anzug beim Spiel, allerdings Trainingsanzug, kein Armani/Boss/Joop wie Hitzfeld/van Gaal/Trapattoni. Da sollte also Mientus, der örtliche Herrenausstatter, noch nachbessern, die Metropole braucht auch optisch keinen Sportlehrer, die braucht einen Teamchef.

Das Renommee. Erwünscht war ein Erfolgstyp, ein Mann mit Gipfelerfahrung. Stevens war Jugendleiter in Eindhoven, Trainer bei Roda SC Kerkrade (wenngleich man außerhalb von Kerkrade nicht so recht weiß, wo Kerkrade ...) und Schalke 04. Mit denen gewann er den Uefa-Cup, eine feine Leistung, die bei Bayer Leverkusen auch schon Erich Ribbeck geschafft hat. Man weiß, was aus dem geworden ist. Kein Meister der Herzen, wohingegen Stevens genau den Titel in der vergangenen Saison nach Gelsenkirchen brachte, plus den dazugehörigen Tränen, die flossen, als Schalke in letzter Sekunde den echten Meistertitel verlor.

Letzter, gewichtigster Punkt: Internationalität. Stevens spricht deutsch, so wie Rudi Carrell. Stevens ist Holländer, demnach international. Oder? Zum Vortrag kommt die niederländische Hymne, die ersten beiden Zeilen: "Wilhelmus van Nassouwe / Ben ick van Duytschen bloet." Deutsches Blut! Was jetzt?

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