Sport : Gelungene Integration

Der Kanadier Rob Leask spielt für das deutsche Eishockeyteam

Claus Vetter

Berlin. Rob Leask lächelte. Ein wenig verlegen wirkte er, der 32-jährige, in Toronto geborene Profi. Die frohe Kunde war ihm am Freitagabend, in einer Pause des Spiels der EHC Eisbären gegen den ERC Ingolstadt übermittelt worden: Der Verteidiger steht vor seinem Debüt in der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, am 7. November beim Deutschland-Cup in Hannover soll es so weit sein, beim Spiel gegen die USA. Eine späte Berufung. Und eine, von der er als Kind nicht mal träumen konnte. „Ich wollte immer für Team Kanada spielen“, sagt er. „Jetzt ist es halt Deutschland. Wer mir das vor ein paar Jahren erzählt hätte, den hätte ich für bescheuert erklärt.“

Seit acht Jahren spielt Leask für die Eisbären. Er fühlt sich wohl in Berlin, ist mit einer Deutschen verheiratet. Seit dem Sommer ist er deutscher Staatsbürger, seinen kanadischen Pass musste er abgegeben. Leask spricht hervorragend Deutsch, ein Umstand, der ihn von vielen seiner aus Nordamerika stammenden Teamkollegen unterscheidet, zudem belegt, dass sein Integrationswillen recht ausgeprägt ist. Berlin sei für ihn eben nicht nur eine Durchgangsstation, sagt er. „In meinen beiden ersten Jahre in Berlin konnte ich noch kein Deutsch. Das ging mir dann aber auf die Nerven, innerhalb eines Jahres habe ich die Sprache gelernt.“ Ob er nach seiner aktiven Karriere in Berlin bleibt? „Wer weiß, was die Zukunft bringt. Noch will ich ja ein paar Jahre spielen.“ Und sein Vertrag bei den Eisbären läuft am Saisonende aus.

Die Gegenwart ist erst mal die Nationalmannschaft. „Natürlich ist das eine Ehre für mich. Ich bin motiviert, will mich in Hannover beweisen.“ Ausgerechnet beim Deutschland-Cup, denn bei diesem Turnier wurden 1996 die Eisbären auf ihn aufmerksam. Damals war das inzwischen bei den Eishockey- Fans so beliebte Turnier noch ein paar Nummern kleiner als heute und fand in Stuttgart statt. Leask spielte seinerzeit tatsächlich für Team Kanada: 53 Spiele hat er für sein Heimatland absolviert, bei einer WM oder bei Olympischen Spielen war er allerdings nie dabei.

Das soll jetzt klappen, mit Deutschland. Es ist eine vage Hoffnung, zumal dem Bundestrainer Hans Zach in Hannover einige prominente Verteidiger wie die in Nordamerika beschäftigten Dennis Seidenberg und Christian Ehrhoff fehlen werden und der für AK Bars Kazan in Russland spielende Jan Benda nicht nach Hannover kommen wird. Trotzdem, Leask glaubt an seine Chance, schließlich überzeugt er bei den Eisbären, die heute beim Aufsteiger Wölfe Freiburg antreten, in dieser Saison mehr als je zuvor: Sechs Tore hat er in 13 Spielen erzielt, er rangiert seit Wochen weit oben in der Scorerwertung der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). „Es soll nicht bei Hannover bleiben“, sagt er. „Eine Weltmeisterschaftsteilnahme, das wäre noch mal was.“

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