Sport : Gemeinsam gegen die Krankheit

Martin Dauschs Sohn hat einen Augendefekt – nun hilft Union mit Aktionen.

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Berlin - Martin Dausch erlebte die beiden ersten Pflichtspielsiege des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union in dieser Saison nur als Zuschauer. Der Zugang vom VfR Aalen stand zwar im DFB-Pokalspiel bei Jahn Regensburg (2:1) und beim Meisterschaftserfolg bei Dynamo Dresden (3:1) im Kader, kam aber nicht im Einsatz. Das war eine Enttäuschung für Dausch, der aber zurzeit auch substanziellere Probleme hat. Sein am 25. Februar 2013 geborener Sohn Luca ist an der seltenen Augenkrankheit Aniridie erkrankt. Ihm fehlt in beiden Augen die Regenbogenhaut. „Luca muss im Freien bei Tageslicht eine Sonnenbrille tragen, weil UV-Strahlen seine Hornhaut sofort verletzen würden. Vermutlich wird er in seinem Leben nur 20 Prozent Sehstärke erreichen. Im Verlaufe des Lebens könnte er sogar erblinden“, erzählt Dausch.

Dausch hat gemeinsam mit seiner Ehefrau wegen der Erkrankung ihres Kindes den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. In Deutschland gibt diesen Gendefekt nur 500 bis 800 Mal. Heilungsmöglichkeiten gibt es bislang nicht. „Und weil so wenige Menschen betroffen sind, wird in Deutschland leider auch nicht geforscht“, sagt Dausch. Damit es Kinder mit Aniridie in Zukunft leichter haben können, hat Dausch Verbündete gesucht und gefunden. Seit 2011 gibt es mit dem „AWS Aniridie-Wagr e.V.“ einen gemeinnützigen Verein, bei dem sich Betroffene melden können. Durch den Verein entstand auch Dauschs Kontakt zu der in Deutschland führenden Spezialistin Barbara Käsmann-Kellner. Die Homburger Ärztin baut ein Forschungszentrum auf, um Stammzellen für eine künstliche Regenbogenhaut zu züchten. Zu diesem Zweck wurde bereits ein Spendenkonto eingerichtet, Dausch und Union unterstützen es nun mit Aktionen.

Der Verein hat Hilfsangebote und die Idee von Union-Fan Sven Köhler in der Aktion „Gemeinsam sehen – Union leben“ gebündelt. Beim Heimspiel gegen Düsseldorf am Montag werden im Stadion An der Alten Försterei hunderte Bilder mit Augen zu sehen sein. 500 davon wurden bereits in den jüngsten 14 Tagen in Schulen und Kitas in Köpenick, Tempelhof, Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg oder Fürstenwalde von Kindern und Jugendlichen bemalt. „Die große Resonanz und die Bandbreite hat mich überrascht“, sagt Initiator Köhler. Weitere 500 Bilder können am Sonntag zwischen 11 und 15 Uhr auf der Waldseiten-Tribüne der Alten Försterei bemalt werden. Vor und nach der Zweitliga-Partie am Montag können Bilder für eine Spende erworben werden.

Martin Dausch und einige Mitspieler wollen am Sonntagvormittag die Malaktion besuchen. Dausch ist von der Resonanz erstaunt. Und inzwischen hätten sich auch viele Familien bei ihm gemeldet, deren Kinder ebenfalls an Aniridie erkrankt sind, sagt er. Matthias Koch

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