Sport : Gemeinsam gegen Gewalt

Palästinenser und Israelis spielen für den Frieden – und Shimon Peres träumt von einem Olympiateam

Daniel Pontzen

München – Friede schön und gut, mag sich Almog Choen gedacht haben, aber alles zu seiner Zeit. Als ein Stürmer von Bayern Münchens U17 an dem Verteidiger vorbei dribbeln wollte, grätschte der 16-Jährige in die Knochen des Gegenspielers. Ansonsten war es eine faire Begegnung zwischen der gemischt israelisch-palästinensischen Auswahl des Peres Center for Peace und den Münchner Gastgebern vor 40 000 gut gelaunten Schülern in der Allianz-Arena – ganz im Sinne des Ideengebers, Israels stellvertretendem Ministerpräsidenten Shimon Peres. „Frieden kann man nicht nur unter Politikern machen, wir müssen Frieden bei den Leuten selbst herstellen“, sagte Peres dem Tagesspiegel. „Bei jungen Menschen geht das am besten über den Sport, den lieben sie mehr als Politik.“

In Begleitung von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Vorstandsriege des FC Bayern verfolgte der Friedensnobelpreisträger das Spiel. Rund 1400 Kinder und Jugendliche sind in Sportprogramme seiner 1996 gegründeten Organisation eingebunden, „die Entscheider von morgen“, wie Peres sagt. Die Spieler seines Centers eines Tages in einer gemeinsamen Olympiamannschaft von Palästina und Israel zu sehen – ähnlich dem Vorbild Nord- und Südkoreas – fände Peres „sehr gut“. Bevor es so weit ist, werden sie im nächsten Jahr erst einmal beim „Festival 06“ von streetfootballworld in Berlin teilnehmen.

Gestern war das Stadion nicht wie erhofft ausverkauft, rund ein Drittel der verschenkten Karten blieb ungenutzt. Einige besorgte Schulleiter und Eltern hatten sich aus Angst vor Attentaten gegen einen Arena-Besuch der Kinder gewandt. Die Vertreter des FC Bayern werteten die Begegnung als Erlebnis von bleibendem Wert. „Wir sind stolz darauf, mit dem Fußball solch einen Beitrag zu leisten“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Bei den Spielern seines Klubs hatte die Gastfreundschaft allerdings ihre Grenzen. Trotz aufopferungsvoller Gegenwehr der Gäste gewannen die Bayern souverän mit 4:0.

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