Sport : Gemeinsam unterschiedlich

Justine Henin-Hardenne und Kim Clijsters sind auf dem Weg zurück zur Spitze

Stefan Hermanns

Justine Henin-Hardenne ist erst 22 Jahre alt, in ihrer Karriere als Tennisprofi aber hat sie bereits viele bemerkenswerte Erfolge gefeiert. Sie hat drei der vier Grand- Slam-Turniere gewonnen, außerdem ist sie im August Olympiasiegerin geworden. Das aber, was sie als „eines der größten Erlebnisse meines Lebens“ bezeichnet, hat sich im vergangenen Jahr abseits des Tennisplatzes zugetragen. Da ist die Belgierin zum ersten Mal mit ihrem Idol Steffi Graf zusammengetroffen. „Ich kam mir vor wie ein kleines Mädchen“, sagt Henin-Hardenne. „So habe ich gezittert.“

Der belgische Tennisboom hat viel mit Steffi Graf zu tun. Im Kinderzimmer von Justine Henin hing früher ein Poster von Steffi Graf an der Wand. Bei ihrer Landsfrau Kim Clijsters war es nicht anders. Ohnehin weisen die Biografien der beiden Belgierinnen, die heute bei den German Open ihre Erstrundenmatches bestreiten, erstaunlich viele Ähnlichkeiten auf – dabei haben Clijsters und Henin-Hardenne außer der Nationalität wenig gemein. „Wir hatten nicht viel Kontakt, nein“, sagt Clijsters über die vergangenen Monate.

Es ist ein seltsamer Zufall, dass beide fast zur selben Zeit lange verletzt waren und nun zeitgleich zurück in die Weltspitze streben. Clijsters, Nummer 17 der Weltrangliste, hat nach ihrer Verletzung am Handgelenk in diesem Frühjahr bereits zwei Turniere gewonnen (Indian Wells und Miami). „Das Handgelenk fühlt sich gut an“, sagt sie. Bei den German Open 2004 in Berlin hat sie sich verletzt und in der Folge fast die gesamte Saison verpasst. Jetzt ist sie dort zurück, wo alles angefangen hat. In Berlin, auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß.

Justine Henin-Hardenne hat am Sonntag in Warschau ihr erstes Turnier seit Olympia in Athen gewonnen. „Es war das Ergebnis harter Arbeit“, sagt die 22-Jährige. Seit Oktober hatte sie wegen einer Viruserkrankung pausiert. Sie fühlte sich ständig müde und ausgelaugt. In der Weltrangliste fiel Henin-Hardenne in dieser Zeit weit zurück, inzwischen liegt sie wieder auf Rang 15, zwei Plätze vor Clijsters.

Aber beide standen auch schon an der Spitze des Klassements: Im Oktober 2003 löste Henin-Hardenne Clijsters als Weltranglisten-Erste ab, eine Woche später war es umgekehrt, und wiederum nur zwei Wochen darauf eroberte Henin-Hardenne den Platz zurück. Doch das Nichtverhältnis der beiden Landsleute liegt nicht nur in der sportlichen Konkurrenz begründet. Unterschiedlicher können zwei Menschen kaum sein. Clijsters, die Flämin, gilt als Sonnenscheinchen, immer gut gelaunt und freundlich.

Die Wallonin Henin-Hardenne dagegen wirkt verschlossen und nachdenklich. Vielleicht war es die Hatz nach Erfolgen, die sie müde und krank gemacht hat. „Ich genieße mein Spiel jetzt mehr als vor meiner Krankheit“, sagt Henin-Hardenne. Früher habe sie sich wie eine Maschine gefühlt, erzählt sie, „jetzt spüre ich wieder Emotionen, wenn ich auf dem Platz stehe“. Insofern sei die Pause eine wichtige Lektion für sie gewesen: „Wahrscheinlich habe ich diese Zeit gebraucht. Ich habe mir Fragen gestellt, die ich mir vorher nie gestellt habe.“ Kim Clijsters sagt, sie sei während ihrer Verletzungspause viel auf Partys und im Kino gewesen. Sie habe viel Spaß gehabt.

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