Sport : Gemütlich erfolgreich

Heiner Brand bleibt trotz großer Siege bescheiden

Hartmut Moheit[Köln]

Was macht ein 24-Jähriger mit einem Ahornzweig, den er tausende Kilometer entfernt von der Heimat geschenkt bekommt? Wenn er Heiner Brand heißt, dann passt er so lange auf das Gewächs auf, bis er es im eigenen Garten einpflanzen kann. Das war vor 30 Jahren, heute ist aus dem Zweig ein stattlicher Baum geworden. Und aus dem einstigen Weltklassespieler Heiner Brand wurde ein Handballtrainer von internationaler Klasse. Zwischen beidem, dem Ahorngewächs und der Entwicklung zum Bundestrainer, besteht ein unmittelbarer Zusammenhang: Bodenhaftung. Das beste Beispiel ist die laufende WM. Obwohl er als deutscher Nationaltrainer mit seinem Team große Erfolge bejubeln kann, blieben Bescheidenheit und Sachlichkeit seine Tugenden. Anderes liegt dem heute 54-Jährigen mit dem dicken Schnauzbart überhaupt nicht. Er stellt immer die Mannschaft in den Vordergrund, nie sich selbst. Brand fühlt sich wohl in der heimischen Abgeschiedenheit, abseits vom Hype. Dann fällt sein Blick so manches Mal auf den Ahornbaum, der seinen Ursprung in Montreal hatte. Bei Olympia 1976 bekam jeder Teilnehmer vom Gastgeber einen Zweig geschenkt. Heiner Brand wohnt immer noch im selben Haus in Gummersbach. „Ich bin ein konservativer Mensch“, sagt er.

Für die Spieler der deutschen Mannschaft ist Brand wie ein gutmütiger Vater. Die großen Erfolge als Spieler kommen ihm nur noch in den Sinn, „wenn ich mal darauf angesprochen werde“. Die heutigen Nationalspieler wissen ohnehin, dass Brand mit dem VfL Gummersbach und der Nationalmannschaft bis auf die Goldmedaille bei Olympia alle großen Titel gewonnen hat. In dieser Zeit hat er es auch gelernt, seine Emotionen zu kontrollieren. Brand galt nicht nur als einer der weltbesten Kreisspieler seiner Zeit, sondern auch in der Rolle des Regisseurs waren seine Fähigkeiten als Leitfigur gefragt. „Er war ein Glücksfall für den deutschen Handball als Spieler, er ist ein Glücksfall für den deutschen Handball als Trainer“, sagt DHB-Präsident Ulrich Strombach.

Zu Beginn seiner Karriere als Auswahltrainer galt Brand bei vielen als harter Hund und Perfektionist. Das war vor zehn Jahren, die Nationalmannschaft befand sich gerade in einem Tief, und ihm war mit dem neuen Team ein sportliches Desaster prophezeit worden. Der Druck war für den Neueinsteiger sehr groß. „Ich überlasse nun mal nichts gern dem Zufall“, sagte er damals. Der Perfektionist ist er heute noch, der harte Hund ist mittlerweile viel weicher geworden. „Er lässt uns an einer viel längeren Leine, als wir sie nutzen würden“, beschreibt ihn Kapitän Markus Bauer. Bei aller Zurückhaltung und Gemütlichkeit, die Brand auch nach großen Siegen ausstrahlt, ist er ein ganz gewissenhafter Arbeiter geblieben.

Personalführung und das Bewältigen von schwierigen Situationen sind die großen Stärken von Heiner Brand. In der Zeit zwischen 2003 und 2004 – WM-Zweiter, Europameister, Olympia-Zweiter – war er damit schon einmal sehr erfolgreich. Die Krönung seiner Trainer-Karriere wäre der WM-Titel.

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