Sport : Gemütlichkeit hinter den Kulissen

Claus Vetter

Es ist schon erstaunlich. Während sich die Spieler des EHC Eisbären nach dem heutigen Fest zum Saisonabschluss (Beginn 18.30 Uhr, Sportforum) mit ihren Urlaubsplänen befassen dürfen, wird bei den Capitals noch Eishockey gespielt. Kaum einer hätte das vor Saisonbeginn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) für möglich gehalten - allerdings auch nicht, dass die Capitals in die Abstiegsrunde, die Play-downs müssen. Immerhin, in der nach dem Modus "Best of seven" gespielten Serie sind die Berliner am Montag dem Klassenerhalt ein Stück nähergekommen: Die Capitals gewannen in der Deutschlandhalle gegen die Schwenninger Wild Wings mit 3:2 (0:0, 1:2, 1:0/ 0:0/ 1:0) nach Penaltyschießen. Die Berliner führen damit in der Serie mit 3:2.

Ein Sieg fehlt den Capitals noch, um den Klassenerhalt perfekt zu machen - den können die Berliner schon am Freitag in Schwenningen landen. Eine in jeder Hinsicht misslungene Saison könnte bei den Capitals so zumindest in sportlicher Hinsicht ein befriedigendes Ende finden. Vor zwei Wochen hatten die Gesellschafter der DEL dem verschuldeten Berliner Klub zum 30. April die Lizenz gekündigt. Nach einigem Hin- und Her hatte sich der langjährige Hauptgesellschafter der Capitals, Egon Banghard, Mittwoch vergangener Woche von seinen 97 Prozent Anteilen an der Capitals GmbH getrennt. Seitdem hat eine nicht näher genannte Gruppe von Berliner Kaufleuten das Sagen bei den Berlinern. Und den Herren ist um die Zukunft des Klubs - trotz drohender Eröffnung eines Insolvenzverfahrens - nicht bange.

Die Übernahme der Capitals sei zum "idealen Zeitpunkt" erfolgt, sagte der neue Geschäftsführer Michael Wuscher gestern. Mittel für eine Sanierung des Klubs - der Schuldenstand wird mit über 3.6 Millionen Euro beziffert - seien vorhanden. Viel ist aber über Ostern nicht passiert. Obwohl Wuscher "auch an den Feiertagen am Schreibtisch saß". Im Wesentlichen streben die Capitals Vergleiche mit den Gläubigern des Klubs an. Vorraussetzung für eine erfolgreiche Rettung ist indes der Klassenerhalt. Den Gang in die Zweite Liga würden die neuen Investoren wohl nicht so gern antreten, dies war zwischen den Zeilen am Montag zu erfahren. Sollten die Berliner die sportliche Qualifikation für die DEL schaffen, müsste auch der Gang vor das Schiedsgericht der DEL erfolgen. "Das Thema Lizenz ist momentan aber das kleinste Problem", glaubt Wuscher.

Es wird sich zeigen, ob alle Klubs der DEL eine Rückkehr der Capitals bejubeln werden. Wie dem auch sei - in mancher Hinsicht ist nach dem Einstieg der neuen Gesellschafter in der Deutschlandhalle das Klima angenehmer geworden. Es herrscht ein hemdsärmeliger Umgangston bei den Capitals, seit das Berliner Eishockeyidol Lorenz Funk zum starken Mann ernannt wurde. Ein kleiner Schönheitsfehler war Montag, dass die Vorstellung der Capitals auf dem Eis nicht mit der Gemütlichkeit hinter den Kulissen korrespondierte: Vor nur 1400 Zuschauern fuhren die Capitals ihren dritten Sieg gegen Schwenningen ein.

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