Gendoping-Experte : "Die Suche ist komplex"

Experte Fritz Sörgel spricht mit dem Tagesspiegel über den Kampf gegen Gendoping.

Herr Sörgel, Wissenschaftler aus Mainz und Tübingen haben ein neues Verfahren zum Nachweis von Gendoping entwickelt. Ist das der große Durchbruch in der Doping-Bekämpfung?

Es ist auf jeden Fall eine hervorragende wissenschaftliche Leistung. Allerdings ist es nun noch ein weiter Weg, bis die Methode gerichtsfest, also valide ist. Hierfür bedarf es umfangreicher Tests.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach geht davon aus, das Verfahren bereits bei den Olympischen Spielen 2012 in London einsetzen zu können.

Es ist illusorisch zu glauben, dass die Methode 2012 bereits gerichtsfest ist. Aber natürlich besteht die Möglichkeit, die Proben einzufrieren und zu einem späteren Zeitpunkt mit dem dann validierten Verfahren zu untersuchen.

Wie funktioniert die neue Methode denn? Über eine Blutprobe, Urin oder Hautzellen?

Natürlich könnte im Prinzip fast jede Körperzelle untersucht werden. Man wird aber wohl auf Blut zurückgreifen. Von Blutzellen DNA zu isolieren, ist ein einfaches Verfahren. Dann aber wird es schwierig, es muss nach bestimmten, von außen eingebrachten Genen gesucht werden. Dabei muss man genau wissen, wonach man sucht. Es lässt sich leicht nach dem Epo-Gen suchen oder dem Transkriptionsfaktor Hif1 für die Sauerstoffversorgung und damit die Ausdauer. Bei neuen Arten von Gendoping könnte es schwierig werden – gerade, wenn man sie noch nicht richtig kennt.

Betreiben Sportler denn überhaupt schon Gendoping?

Davon gehe ich aus. Viele Sportler opfern sich auf für den Erfolg, manche scheuen dabei keinerlei Risiken. Dabei ist Gendoping extrem gefährlich. Einer der ersten Probanden, der sich durch Gentherapie eine Heilung von seiner genetisch bedingten Erkrankung erhoffte, starb kurz nach der Infusion. Kriminelle Ärzte setzen sicher auch schon Stammzellen zu Dopingzwecken ein. Dafür geben sich aber keine seriösen Ärzte her, die die Gefahren kennen. Wenn also dann auch noch Pfuscher am Werk sind, wird die Gefahr für die Sportler unüberschaubar. Wir werden mehr Todesfälle sehen.

Interview: Ingo Schmidt-Tychsen

Fritz Sörgel, 59, ist Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg bei Nürnberg. Er hat umfassende Beiträge zum Thema Doping veröffentlicht.

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