Sport : Generalprobe ohne Attraktionen

Günter Klein[München]
Protestnote. Bayerns Mark van Bommel (2.v.l.) sah Cacaus Flanke im Aus. Doch Ciprian Maricas 2:1-Treffer (3.v.l.) zählte. Foto: dpa
Protestnote. Bayerns Mark van Bommel (2.v.l.) sah Cacaus Flanke im Aus. Doch Ciprian Maricas 2:1-Treffer (3.v.l.) zählte. Foto:...Foto: REUTERS

Wie der Samstagabend verlaufen sollte, das hatte Louis van Gaal schon im Vorfeld festgelegt. Die Mannschaft würde nach dem Spiel gegen Stuttgart in der Münchner Arena bleiben, dort das „Spielergebäude“ – damit meinte der Niederländer die VIP-Räume, die nur den Spielern zugänglich sind – aufsuchen, man würde „mit Familie und Freunden essen und zusammensitzen“, und so nebenbei dürfte der Fernseher laufen mit dem Bundesliga-Verfolgerduell zwischen Leverkusen und Schalke. „Aber es ist nicht so, dass wir uns treffen, um dieses Spiel anzusehen“, hatte der Bayern-Trainer gesagt. Sie werden dann aber doch genauer hingeblickt haben. Denn das eigene Ergebnis war weitab von den Planungen und gab keinen Anlass, die Bemühungen der Konkurrenz mit Gelassenheit oder Ignoranz zu verfolgen. Denn der FC Bayern leistete sich drei Tage vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester United einen Ausrutscher im nationalen Geschäft: eine 1:2 (1:1)-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart, der bis dahin in 42 Spielen in München erst vier Mal gewonnen hatte.

Das Spiel begann eigentlich erst in der Halbzeitpause. Da saugte sich die Kamera des Stadion-TVs fest an Arjen Robben, wie er seine Aufwärmsprints absolvierte, und an Franck Ribéry, der von Co-Trainer Andries Jonker instruiert wurde. Die ersten 45 Minuten hatten ohne die beiden Attraktionen der Münchner Mannschaft stattgefunden. Bei Ribéry war wieder einmal vorsichtige Integration nach einer Verletzungspause angesagt. Die 60 Minuten von Schalke fand van Gaal eigentlich schon zu viel für den Franzosen. Und Robben, der nach seinem Pokaltor im Mittelpunkt der tagelangen bundesweiten Ovationen gestanden hatte, erhielt nach seiner Laufleistung eine Pause. Ribéry und Robben kamen mit Beginn der zweiten Halbzeit.

Kein Wunder, dass sich in der ersten Halbzeit wenig ergeben hatte, was die Erwartungen an Spielkunst im Süd-Derby erfüllt hätte. Es war eine recht zerfahrene Angelegenheit mit einigen krassen individuellen Fehlleistungen wie etwa von Bastian Schweinsteiger, der sich in der Richtung irrte und eine Vorlage auf den Stuttgarter Stürmer Marica spielte, der aus freier Position aber verschoss.

Die Bayern kamen nach einer halben Stunde dennoch zur 1:0-Führung, durch eine Co-Produktion ihrer Kroaten: Pranjic flankte, Olic spritzte in diese Vorlage hinein. Wie der VfB zehn Minuten danach ausglich sah kurios aus: Träschs 25-Meter-Schuss wurde von Münchens Verteidiger Badstuber unglücklich abgefälscht. Verdient war das 1:1 allemal.

In der zweiten Halbzeit ließ sich der VfB auch nicht davon beirren, dass Ribéry und Robben auftauchten. Die Stuttgarter nutzten fünf Minuten nach dem Seitenwechsel die Nichtzuständigkeits- Erklärungen diverser Bayern-Spieler – das führte dazu, dass Marica eine abgefälschte Cacau-Flanke aus weniger als einem Meter einnicken konnte.

Die Bayern kamen zu ihren Chancen: Lahm flankte, Klose köpfte, doch VfB-Torwart Lehmann wehrte ab. Thomas Müller startete durch, war schon im Strafraum, ehe die Stuttgarter ihn zu dritt umzingelten und den Ball weggrätschten.

Zehn Minuten vor dem Ende griff Louis van Gaal zum letzten Mittel. Wie schon einmal in der Vorrunde wurde Abwehrchef Daniel van Buyten in die Sturmspitze geschickt. Der Belgier kam aber nicht zum angestrebten siebten Saisontor. Und am Ende schien es ganz bitter zu kommen: Die letzten Minuten absolvierte Arjen Robben humpelnd und griff sich an die linke Wade. Ob er sich eine Verletzung zuzog, war zunächst unklar.

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