Sport : Genetisch verändert

Eine neue Dimension des Dopings beschäftigt die Forscher

Erik Eggers

Das Medikament verspricht Wunderdinge für Bodybuilder, ohne Nebenwirkung. „Dank Myostat“, heißt es auf dem Beipackzettel, „können Sie mehr Muskeln aufbauen, als genetisch möglich wäre. Myostat durchbricht die genetischen Grenzen.“ Zurzeit wird das Präparat heiß diskutiert in der Szene, ihre Vorreiter probieren den Stoff kompromisslos aus. „Vor allem in den USA hauen sich die Kraftsportler alles rein“, sagt Patrick Diel, der als Biologe an der Deutschen Sporthochschule Köln forscht.

Diel hatte beim „21. Manfred Donike Workshop“ in Köln darüber referiert. Das Treffen führt einmal im Jahr die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beauftragten Dopinganalytiker zusammen. 110 Wissenschaftler aus 40 Ländern diskutierten dabei neue Nachweisverfahren und den 2004 bevorstehenden Übergang der Zuständigkeit vom IOC zur World Anti- Doping Agency (Wada) – stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit, damit experimentierfreudige Athleten nichts ahnen.

Biologe Diel berichtete als Einziger über das so genannte Gendoping Myostatin, ein Protein, das 1997 von einem belgischen Wissenschaftler isoliert worden war. Das Gen ist zuständig für die Regulierung des Muskelwachstums. Aus diesem Grund stürzen sich viele Forscher auf dieses Feld. Von großem Interesse ist es etwa für die Tierindustrie, der effektiveren Fleischproduktion wegen. Auch Pharmakonzerne, die auf diese Weise Muskelschwund bekämpfen wollen, beschäftigen sich damit, selbst die Nasa forscht, weil sie mit der Substanz die muskulären Folgen der Schwerelosigkeit einzudämmen hofft. „Spätestens im nächsten Jahr“, schätzt Diel, „wird ein entsprechendes Medikament in Deutschland zur Zulassung beantragt.“ In zwei oder drei Jahren wäre demnach ein Präparat auf dem Markt – zugänglich auch für Leistungssportler. Für die Dopinganalytik ist Myostatin bereits ein Thema, da sich einige Athleten, wie etwa Sprinter, wohl schon jetzt durch dieses Doping Vorteile verschaffen wollen.

Einige wundert es daher, dass Diels 2002 bei der Wada gestellter Forschungsantrag zum Thema Myostatin abgelehnt wurde – obwohl angeblich Millionen für den Bereich Gendoping bereitlägen. Das Problem: Die Wada vergibt lediglich Geldmittel, um Nachweisverfahren zu vorhandenen Substanzen zu erproben, präventive Forschung wird nicht gefördert. Vielleicht müsste der Horror vom gentechnisch veränderten Athleten also erst Wirklichkeit werden.

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