Sport : Genie aus dem Plattenbau

Levon Aronjan aus Hohenschönhausen überrascht bei der Schach-Weltmeisterschaft

Levon Aronjan hat durchaus Chancen, Schachgeschichte zu schreiben. Der Armenier wohnt in Berlin-Hohenschönhausen und spielt zurzeit in Mexiko-City um den Titel als Weltmeister. Zuletzt bezwang er Peter Leko, obwohl es zunächst nicht danach ausgesehen hatte. Für den 24 Jahre alten Aronjan scheint nun wieder alles möglich. Zwar ist er zurzeit nur Achter der Weltrangliste, aber selbst seine schärfsten Rivalen trauen ihm den WM-Titel zu.

Die beiden derzeit im Turnier führenden Wladimir Kramnik und Viswanathan Anand ließ das Genie aus dem Plattenbau im Januar schon einmal hinter sich, bei seinem geteilten Turniersieg in Wijk aan Zee. Und weil er nicht nur brillant spielt, sondern zugleich bescheiden auftritt, ist Aronjan respektiert und auch beliebt. „Es macht Spaß, mit Spielern wie Levon Turniere zu spielen“, sagt Anand.

Aronjans Vater ist Physiker, seine Mutter gelernte Sprengmeisterin. Vor mehr als sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Deutschland, weil es hier für ihn als Schachspieler bessere Perspektiven gab als in Armenien. Er hatte sogar überlegt, eine Spielberechtigung für die deutsche Schach-Nationalmannschaft anzustreben. Er entschied sich jedoch für sein Heimatland Armenien.

Bei der Schacholympiade 2006 holte Aronjan als Spitzenspieler mit dem armenischen Team die Goldmedaille. Als sich die Sowjetunion im Jahr 1991 aufgelöst hatte, war er neun Jahre alt und bekam von seiner Schwester die Schachregeln beigebracht. Bald durchlief er die für Talente im vormals sowjetischen Schach typischen Stationen: Spielen im Pionierpalast, gute Trainer, erste Turniere. Und im Jahr 1994 wurde er U-12-Weltmeister. Aronjans nächste Partien werden zeigen, ob es auch zum wichtigsten WM-Titel reicht.

Gegen Peter Leko profitierte er von einem Fehler. „Er hätte eine sehr komfortable Position erreichen können“, sagte Levon Aronjan. Als der Ungar jedoch im 27. Zug seinen Läufer auf die Grundreihe zurückzog, unterschätzte er offensichtlich Aronjans Antwort. Leko hoffte noch, mit einem Springeropfer ein Gegenspiel einzuleiten; aber das war, wie er einräumte, „wohl die schlechteste Wahl“. Mit einigen Zügen konsolidierte Levon Aronjan seinen Vorteil und gewann mühelos (siehe nebenstehende Notation). Mit der Niederlage schrumpften auch Peter Lekos Chancen auf den Weltmeistertitel.

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