Genug gewartet : Herthas Torwart Kraft darf wieder spielen

Nach fast vier Monaten Pause steht Thomas Kraft vor seinem Pflichtspiel-Comeback. Und der Hertha-Torwart bringt für das Derby nicht nur eine Menge Motivation mit, er weiß auch wie es ist, gegen Union zu gewinnen.

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Wohin mit der Energie? Thomas Kraft kehrt beim Derby gegen Union ins Tor von Hertha BSC zurück.
Wohin mit der Energie? Thomas Kraft kehrt beim Derby gegen Union ins Tor von Hertha BSC zurück.Foto: dapd

Berlin - Irgendwann an diesem sonnigen Vormittag gibt es sogar Szenenapplaus für Thomas Kraft. Es ist nur ein Trainingsspielchen, aber für den Torhüter von Hertha BSC bestand das Berufsleben in den vergangenen 15 Wochen ausschließlich aus Training. Kein Grund also, nachlässig zu werden. Kraft sieht sich Peer Kluge gegenüber, und eigentlich macht Kluge alles richtig. Er wartet so lange, bis Kraft seinen Körper nicht mehr in der Senkrechten halten kann – und kommt dann doch nicht an ihm vorbei. Mit dem rechten Fuß wehrt der Torhüter den Ball ab. Applaus, Applaus.

Thomas Kraft, 24 Jahre alt und die Nummer eins des Fußball-Zweitligisten Hertha, steht in diesen Tagen ohnehin im Fokus des Interesses. Der Torhüter ist im Nachgang des Relegationsspiels in Düsseldorf für vier Pflichtspiele gesperrt worden. Am vergangenen Freitag ist diese Sperre abgelaufen, am Montag, im Berliner Derby gegen den 1. FC Union, darf Kraft endlich wieder seiner eigentlichen Arbeit nachgehen. Nach 111 Tagen Pause. „Das war keine angenehme Zeit“, sagt er.

Zur besseren Eingewöhnung sollte Kraft schon am Wochenende bei der U 23 Spielpraxis sammeln. Wegen Rückenproblemen musste der Torhüter jedoch passen. Gestern Nachmittag durfte er dann bei einem kurzfristig angesetzten Test gegen den katarischen Erstligisten Umm Salal wieder bei einem richtigen Spiel zwischen den Pfosten stehen. Die ersten 45 Minuten wirkte Kraft mit. Allerdings bekam er keinen einzigen Ball aufs Tor, nur einmal musste er außerhalb des Strafraums klären. Hertha gewann 3:0 durch zwei Tore von Adrian Ramos und einem von Ben Sahar.

Am Montag im Derby wird es ganz anders zur Sache gehen. Ein schonender Übergang aus der verordneten Tatenlosigkeit ins normale Berufsleben sieht wahrscheinlich anders aus. Doch Kraft kann es nur recht sein. Die Zwangspause ist ihm wie „eine halbe Ewigkeit“ vorgekommen, und wer den Torhüter und seinen Ehrgeiz kennt, weiß, dass er eine solche Situation nicht mit der Gelassenheit eines buddhistischen Mönchs erträgt. „Es hat gar keinen Spaß gemacht, überhaupt ins Stadion zu fahren und sich auf die Tribüne zu setzen“, erzählt Kraft. „Es war eher eine Qual, da zuzuschauen.“ Und das meint er ganz allgemein, nicht speziell auf die unbefriedigenden Darbietungen seiner Kollegen bezogen.

Mit Kraft gewinnt Herthas Mannschaft ohne Zweifel an Qualität zurück. Seine Vertreter Sascha Burchert und Philipp Sprint konnten die Sperre des Stammtorhüters nicht nutzen, um ihre Ambitionen auf mehr nachzuweisen. „Ich erwarte unglaublich viel“, sagt Herthas Trainer Jos Luhukay über die Rückkehr seiner Nummer eins. Kraft sei ein sehr guter Torwart mit guter Ausstrahlung. „Er kann die Abwehr organisieren und der Mannschaft Führung geben“, sagt der Holländer. „Ich hoffe, dass durch ihn ein Stück mehr Stabilität in die Mannschaft kommt.“

Zudem hat Kraft schon eine Erfahrung gemacht, die den anderen Herthanern bisher verwehrt geblieben ist: Er hat ein Pflichtspiel gegen Union gewonnen, am ersten Drittligaspieltag der Saison 2008/ 2009 mit der U 23 des FC Bayern. „Union galt als großer Favorit“, erinnert sich Thomas Kraft. „Wir haben sie weggeputzt.“

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