Sport : Genug vom Papa

Manager Stefan Kuntz verlässt Bochum im Streit

Richard Leipold

Bochum - Wenn der VfL Bochum so etwas besitzt wie ein Markenzeichen, dann ist es seine Identität als Familienklub. Generationen von Angestellten, in kurzen wie in langen Hosen, schwärmen von der Atmosphäre, die in diesem Fußball-Reservat voll menschlicher Wärme auch im Profigeschäft erhalten geblieben sei. Stefan Kuntz hat die Familie von beiden Seiten kennen und schätzen gelernt, zweimal als Spieler, später als Manager und Vorstandsmitglied. Werner Altegoer, der frühere Präsident und aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende, ist Kuntz so etwas wie ein väterlicher Freund geworden. Doch der Sohn geht nun: Stefan Kuntz verlässt den VfL Bochum. Er ist dem Vater offenbar zu erwachsen, vor allem zu selbstständig geworden. Nach langen, von Gerüchten und Kampagnen begleiteten Verhandlungen haben beide Parteien beschlossen, sich zu trennen und den bis 31. Dezember gültigen Vertrag so rasch wie möglich aufzulösen. Bis ein Nachfolger – im Gespräch ist der frühere VfL-Coach Peter Neururer – gefunden ist, wird nach Angaben des Vereins Cheftrainer Marcel Koller Kuntz’ Aufgaben übernehmen.

Offiziell beteuert Altegoer, alles versucht zu haben, den Manager zu halten. Vor kurzem ließ er aber auch wissen, dass der VfL von Kuntz „zur Unzeit“ angesprochen worden sei, „warum der Vertrag noch nicht verlängert wäre“. Neben einem unterschiedlichen Zeitgefühl beruht das gestörte Vater-Sohn-Verhältnis laut der „WAZ“ auf einem Papier, das dem Vorstand zur Unterschrift vorgelegt wurde. Danach müsse jede Entscheidung, die eine gewisse finanzielle Grenze überschreitet, vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Die Grenze soll so niedrig gewesen sein, dass Kuntz wegen jeder Kleinigkeit Papa Altegoer hätte fragen müssen. Dazu hatte er offenbar keine Lust. Kuntz will sich dazu nicht äußern, die Begründung spricht aber Bände: „Ich will dem VfL nicht schaden.“ Richard Leipold

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