GENUGTUUNG über Frankreichs WM-Aus : Irland feiert mit Freibier und Champagner

„Er fordert einen Handelfmeter“, rief der irische Fernsehreporter fassungslos. „Thierry Henry! Einen Handelfmeter!“ Das war im ersten Spiel der Gruppe B, als die Franzosen nicht über ein torloses Unentschieden gegen Uruguay hinauskamen. Die Iren haben es dem Stürmer nicht verziehen, dass er Irland durch sein unverfrorenes, aber nicht geahndetes Handspiel die Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika vermasselt hat. Umso größer war die Freude über das blamable Ausscheiden der Franzosen nach der Vorrunde. „Au revoir“, schrieb der „Irish Independent“ gestern. „Vergebt uns unsere Häme, aber nun heißt es: Allez, les bleus, ab nach Hause!“ Mit Genugtuung stellten die irischen Fernsehzuschauer fest, dass das südafrikanische Fernsehen die Szene, als Henry den Ball vorgestern schon wieder mit dem Arm stoppte, mehrmals wiederholte. Die „Irish Times“ schrieb: „Überall auf dem Spielfeld in Bloemfontein war der Geist von Giovanni Trapattonis irischer Mannschaft zu spüren.“ Die Sportreporterin Grainne Cunningham meinte: „Vielleicht war es Karma, oder was auch immer das französische Wort für einen Zigeunerfluch ist, aber das Team, das uns um unsere Teilnahme in Südafrika betrogen hat, fährt gedemütigt nach Hause.“

Die irischen Filialen einer internationalen Pizza-Restaurantkette verschenkten bei jedem Tor gegen Frankreich Pizzas an die anwesenden Gäste, und in dem Pub „The Bank“ in der Dubliner Innenstadt gab es vorgestern Freibier. Manager David Chawke hatte vor der Weltmeisterschaft versprochen, dass sich seine Kundschaft nach dem Ausscheiden der Franzosen auf seine Kosten betrinken dürfe. An der Eingangstür der Kneipe hängt seit jenem für die Iren verhängnisvollen Spiel in Paris am 18. November 2009 ein Plakat, auf dem Henry Hausverbot erteilt wird. „Wir haben auch ein paar Flaschen Champagner geöffnet“, sagte Chawke.

Cunningham fasste die Stimmung in Irland zusammen: „Natürlich könnten wir uns wie Erwachsene benehmen und in ihrer dunkelsten Stunde Mitgefühl für sie empfinden. Aber die irischen Fans können ihr Vergnügen über Frankreichs Niederlage gegen den Gastgeber Südafrika nicht verhehlen.“Ralf Sotscheck, Dublin

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