Sport : Geografie für Wessis

Benedikt Voigt

wundert sich über Michael Henkes verbale Entgleisung Der Ort Büren in Ostwestfalen besaß lange Zeit das Autokennzeichen BÜR, über das Spötter sagten, es sei die Abkürzung für „Bauern überholen rechts“. Das war natürlich gemein, denn Büren und Umgebung haben neben 250 Kilometern Wanderwegen auch kulturell etwas zu bieten, etwa die einzige dreieckige Burg Deutschlands oder die nördlichste Kirche im südlichen Barockstil. Eines noch lässt sich über Büren sagen: Der Osten Deutschlands liegt ziemlich weit weg.

Das hat zumindest der in Büren aufgewachsene Michael Henke am Dienstagabend bewiesen, als er mit einem einzigen Wort eine ganze Region beleidigte. „Scheiß-Ossis“ rief der Trainer des 1.FC Kaiserslautern im Pokalspiel bei Rot-Weiß Erfurt, weil die Erfurter Spieler den Ball nicht ins Aus spielten, als ein Kaiserslauterer verletzt am Boden lag. Seine Beleidigung hatte Folgen. Unmittelbar nach dem Spiel belegte der 1.FC Kaiserslautern seinen eigenen Trainer mit einer Strafe. Henke bereute seine Äußerung auch sofort und beeilte sich zu erklären, dass er nichts gegen Ostdeutsche habe. Sonst hätte er nicht den ehemaligen Erfurter Marco Engelhardt zum Mannschaftskapitän gemacht, der übrigens ein Tor zum 4:2-Erfolg bei seinem ehemaligen Team beigesteuert hat. Doch die Entschuldigungen kommen zu spät.

Der Ostwestfale Michael Henke hatte schon bewiesen, dass ein Studium von Sport und Geografie ebenso wenig vor Niveaulosigkeit schützt wie fünfzehn Jahre Anschauungsunterricht als Kotrainer unter Ottmar Hitzfeld – einem echten Gentleman.

0 Kommentare

Neuester Kommentar