Sport : Geordnetes Risiko

Wie Hertha BSC die Bayern schlagen will

Michael Rosentritt

Berlin - Die schlimmsten Niederlagen können Andreas Neuendorf den Humor nicht verderben. Auf die 3:6-Niederlage gegen den FC Bayern München vom Mai 2003 angesprochen, antwortet der Mittelfeldspieler von Hertha BSC: „Ich glaube, ich bin beim Stand von 1:5 eingewechselt worden – ich persönlich habe also 2:1 gewonnen.“ Tatsächlich war Neuendorf beim Stand von 1:4 ins Spiel gekommen. Er „persönlich“ hat also 2:2 gespielt gegen die Bayern. Diese kleine Ungenauigkeit sei ihm verziehen. „Wichtig ist, dass wir Sonntag gegen die Bayern gut aussehen“, sagt Neuendorf. „Eine gute Leistung gegen die beste Mannschaft der Liga kann lange nachwirken.“

Falko Götz blickt dem Spiel gegen die Bayern entspannt entgegen. „Was soll es besseres geben als ein Heimspiel gegen den FC Bayern im ausverkauften Olympiastadion“, sagt der Trainer von Hertha BSC. „Da treffen die beiden Mannschaften mit dem größten individuellen Potenzial aufeinander. Die ganze Liga wird auf uns gucken.“ Nach dem nicht ganz geglückten Rückrundenauftakt beim VfL Bochum (2:2) steht Hertha gegen die Bayern unter Druck. „Dieser Druck ist doch ein positiver“, sagt Neuendorf, die Mannschaft könne sich „präsentieren“. Das ganze Umfeld sei elektrisiert. Es würden mehr Journalisten auftauchen, mehr Zuschauer beim täglichen Training vorbeischauen. „Wenn mich sonst 50 Leute wegen Eintrittskarten ansprechen, sind es gegen die Bayern 500“, sagt Neuendorf. Für den 29-jährigen Berliner ist das Duell mit dem FC Bayern das Spiel des Jahres. „Wir sind nicht mehr im Pokal vertreten, spielen nicht international, was also soll da noch kommen?“

Herthas Bilanz gegen die Münchner ist deutlich negativ. In bisher 43 Spielen verließen 22-mal die Bayern den Rasen als Sieger, Hertha nur achtmal. Sechs der acht Berliner Siege gelangen im heimischen Olympiastadion. Der letzte Sieg über den deutschen Rekordmeister stammt aus dem Dezember 2001. Hertha gewann damals nach Toren von Dardai und Neuendorf mit 2:1. „Eigentlich kannst du gegen die Bayern nicht viel verkehrt machen – außer hoch verlieren“, sagt Neuendorf.

Für Trainer Falko Götz verfügt der kommende Gegner über den besten Kader der Liga. Hertha werde der Elf von Felix Magath mit Respekt begegnen, „wir wollen aber den Mut aufbringen, Risiken einzugehen, ohne dabei die Grundordnung auf dem Platz zu verlieren“. Spielerisch sieht Götz seine Mannschaft in der Lage, die Bayern schlagen zu können. Gegen Bochum habe es gute Ansätze gegeben, „wir müssen diese Qualitäten über 90 Minuten aufbringen und dabei zielorientierter sein“, sagt Götz. In Bochum habe seine Mannschaft nach einer 2:0-Führung „zu früh auf Kunst umgestellt“, sagt Götz. „Gegen die Bayern weißt du, dass sie so etwas noch konsequenter bestrafen, aber wir wollen das Spiel gewinnen und möglichst lange davon zehren.“

Neben dem eigenen, offensiven Bemühen wird sehr viel von Herthas Abwehr abhängen, in der Hinrunde das Prunkstück der Berliner. „Wir sollten mal wieder ein Spiel haben, bei dem die Null steht.“ Das gebe Sicherheit, meint Götz: „Du brauchst ja was, woran du glaubst.“

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