Sport : Georg Hackl auf Rädern

Handbike-Favorit Errol Marklein tüftelt so akribisch wie der frühere Rodelstar

Friedhard Teuffel

Berlin - Zwei Bedingungen gibt es, um es zu einem herausragenden Handbiker zu bringen, und Errol Marklein erfüllt sie beide. Er ist ein starker Athlet und ein leidenschaftlicher Tüftler. Für seinen Start am Sonntag beim Berlin-Marathon hat er angekündigt: „Da werde ich noch eine Waffe auspacken.“ Gemeint hat Errol Marklein damit sein Gefährt, mit dem er als Favorit antreten wird, er hat schließlich nicht nur an seiner körperlichen Verfassung gearbeitet in den vergangenen Monaten, sondern auch viel getüftelt, um sein Handbike schneller zu machen.

Die Handbiker starten am Sonntag zehn Minuten nach den Rollstuhlfahrern, aber in manchen Dingen haben sie diese schon überholt. Bei der Teilnehmerzahl zum Beispiel, es haben sich 152 Handbiker angemeldet und 35 Rollstuhlfahrer. Vor allem aber beim technischen Aufwand. Handbiker arbeiten mit Gangschaltungen und anderen Komponenten aus dem Radsport, sie berechnen Aerodynamik und Sitzposition. Auch Handbiker sind Behindertensportler, aber während sich die Rollstuhlfahrer als Leichtathleten sehen, erzählt Marklein viel mehr aus der Welt des Radsports. „Ich bin kein Erik-Zabel-Typ, der am Ende aus dem Windschatten der anderen ins Ziel fährt. Ich bin eher ein Einzelzeitfahrtyp.“

Der Marathon-Renndirektor Mark Milde vergleicht Marklein daher auch mit Georg Hackl, der an seinem Schlitten ebenfalls so lange herumbastelt, bis er einen technischen Vorsprung gegenüber seinen Konkurrenten zu haben glaubt. „Ich sitze natürlich direkt an der Quelle“, sagt Marklein, der aus dem Emsland kommt und mittlerweile in Heidelberg lebt. Dort arbeitet er für eine Rollstuhl- und Handbike-Firma in der Vorentwicklung. „Das ist eigentlich die Formel-1-Abteilung unserer Firma.“ Marklein baut Prototypen, geht aber auch in Kliniken und Praxen, um Rückmeldungen und Anregungen von Patienten und Ärzten zu bekommen. Für dieses Jahr hat er seine Liegeposition um drei Zentimeter tiefer gelegt, das könne seine Leistung um bis zu fünf Prozent erhöhen.

Weil die technische Entwicklung immer weitergeht, werden die Handbiker auch immer schneller. Der Berliner Streckenrekord in Markleins Klasse liegt bei 1:13:32 Stunden, der Schweizer Heinz Frei hat als bisher schnellster Rollstuhlfahrer beim Berlin-Marathon 1:21:39 Stunden gebraucht. Marklein hat sich vorgenommen, in Berlin den Streckenrekord zu verbessern, und das liegt nicht nur an der Technik, sondern auch an seiner athletischen Entwicklung. Er hat das wohl bisher ehrgeizigste Jahr seiner Karriere hinter sich. Seit November trainiert er wie noch nie zuvor, zwischen 8000 und 9000 Trainingskilometer hat er zurückgelegt. Im Juni wollte er unbedingt mit seinem Handbike an einem Radrennen von Trondheim nach Oslo teilnehmen, 540 Kilometer ist es lang und heißt „Styrkeproven“ – Stärkeprüfung. „Ich bin jetzt 49, wer weiß wie lange ich so etwas noch machen kann“, sagt er. Marklein hat die Stärkeprüfung in 38 Stunden bestanden und dann auch noch im selben Monat bei der 177 Kilometer langen Umrundung des Genfer Sees mit 5:22 Stunden einen neuen Rekord für Handbiker aufgestellt. „Ich bin in legendärer Form. Da wäre es mir sehr schwer gefallen, auf den Berlin-Marathon zu verzichten.“ 2004 hat Marklein den Berlin-Marathon schon einmal gewonnen. „Ich werde dieses Jahr sogar Wasserträger haben. Das gab es bei den Handbikern vorher noch nie“, sagt er. Doch mitten in die letzte Vorbereitungsphase ist noch eine wichtigere Aufgabe gefallen. Von Berlin aus ist Marklein noch einmal nach Heidelberg zurückgeflogen, um an diesem Samstag seine Tochter einzuschulen.

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