Sport : Geplantes Chaos

Bei den US Open diktiert das Fernsehen den Spielplan – jetzt protestieren die Tennis-Stars gegen die schlechte Organisation

Petra Philippsen[New York]
Da ist er. Roddick zeigt den Riss. Foto: dapd
Da ist er. Roddick zeigt den Riss. Foto: dapdFoto: dapd

Angelique Kerber hatte am Freitagnachmittag auf Court 5 noch eine Trainingseinheit eingeschoben, bevor für sie mit Foto- und TV-Terminen das mediale Pflichtprogramm der Veranstalter weiter ging. So ist das, wenn man es ins Halbfinale eines Grand Slams schafft. Doch Kerber wirkte enttäuscht, auch wenn sie versuchte, zu lächeln: „Schade, da kann man nichts machen. Ich hätte gerne dort gespielt.“ Mit „dort“ war das Arthur-Ashe-Stadion gemeint, das mit 23 700 Plätzen größte Tennisstadion weltweit, doch genau dort würde Kerber ihre Partie am Samstagabend (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) nicht austragen. Auch der zweitgrößte Platz, das Louis-Armstrong-Stadion, ist aufgrund eines Risses an der Grundlinie nicht bespielbar. Sie muss stattdessen auf dem Grandstand antreten, der nur 6000 Zuschauern Platz bietet. Die Ansetzung einer Vorschlussrunde bei einem Grand Slam auf einen Nebenplatz steht für die chaotischen Verhältnisse, die vor allem die zweite Turnierwoche der US Open beherrschen. Aber mittlerweile gehören diese schon in Flushing Meadows dazu wie die überteuerten Sandwiches.

Die USTA, die als Veranstalter fungiert, hat ein Kardinalproblem, und das ist der Spielplan. Anders als bei den drei anderen Grand Slams wird in New York das Männertableau ab dem Achtelfinale nicht parallel am Montag gespielt, sondern versetzt. Der übertragende Hauptsender CBS diktiert den Organisatoren die Abläufe, er bestimmt auch, dass die Männer zwischen Halbfinale und Endspiel keinen Pausentag haben und promoten mit dem Frauenendspiel den „Super Saturday“. Auch die ersten beiden Runden werden für das Feiertags-Wochenende um den „Labor Day“ über fünf Tage gestreckt, üblich ist bei Grand Slams ein Zwei-Tages-Rhythmus für die Spieler. Die Zeit, die so in der ersten Turnierwoche verplempert wird, rächt sich meistens, wenn die regelmäßig auftretenden Regenfälle dazwischen kommen. In diesem Jahr waren der Dienstag und Mittwoch komplett ausgefallen, was die Dauerdiskussion um ein fehlendes Dach wieder anheizte.

„Ein Dach ist nicht finanzierbar, dafür, dass hier nur einige Wochen im Jahr gespielt wird“, erklärt Medienchef Chris Widmaier. Bei der enormen Größe des Arthur-Ashe-Stadium wäre eine Überdachung nicht nur architektonisch heikel, sondern mit mindestens 140 Millionen Euro auch kostspielig. Dass die Spieler von den chaotischen Verhältnissen beim letzten Grand Slam der Saison längst die Nase voll haben, demonstrierten sie am Mittwoch. Die Veranstalter hatten die zurückhängenden Achtelfinalisten auf die Plätze geschickt, obwohl diese noch rutschig waren. Sofort beschwerte sich das Trio aus Rafael Nadal, Andy Murray und Andy Roddick nach nur zehn Minuten Spielzeit im Büro des Oberschiedsrichters Brian Earley. „Hier geht es nur ums Geld, nicht um unsere Gesundheit“, hatte Titelverteidiger Nadal gewettert, „wir fühlen uns nicht genug geschützt, und das akzeptieren wir so nicht.“

Erstmals hatten sich die Topstars der Branche verbündet und gemerkt, wie viel Macht sie auf einmal hatten. Denn etwas kleinlaut wurde der verbleibende Spielplan geändert.

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