Sport : Gequälte Weihnachten

André Görke

Frierend stand Juri Schlünz neben seinem Stuhl. Der kalte Wind wehte ihm ins Gesicht. Auf der Ersatzbank von Hansa Rostock war kein Platz mehr frei. Die ärztliche Abteilung der Rostocker musste gar auf Metallkoffern hocken. Ein lustiges Bild. Bei Bayern München war die Sache ernster. Trainerstab, Manager Uli Hoeneß und einige Physiotherapeuten hatten reichlich Platz auf der Ersatzbank. Denn der Großteil des Münchner Personals ist verletzt. Und so saß gleich ein paar Plätze neben Hoeneß ein gewisser Patrick Mölzl, Spieler der Bayern-Amateure. Spaßig aber war der Nachmittag nicht einmal für einen, der sonst gegen Amateurklubs wie Elversberg und Hoffenheim spielen darf. Der FC Bayern verlor im ausverkauften Ostseestadion 0:1 (0:0) gegen Hansa Rostock. Seit fünf Spielen haben die Münchner in der Bundesliga nicht mehr gewonnen. Das macht keinen Spaß.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de In der vergangenen Saison hat Bayern München auch gegen Rostock verloren. Und zwar beide Spiele. Selbstverständlich wurden sie am Ende der Saison dann doch Deutscher Meister. In diesem Jahr aber sind sie weit davon entfernt. Gerade mal zwei, drei Torchancen spielten die Münchener im Ostseestadion heraus. Die beste vergab Alexander Zickler, als er den Ball aus wenigen Metern kläglich neben das Tor köpfte (63.). Hansa kämpfte, kam aber nicht ernsthaft vor das Bayern-Tor. Zufall war es dann wohl eher, dass vier Minuten vor Abpfiff ein Eckball von Rostocks Mittelfeldspieler René Rydlewicz ungestört durch den Münchener Strafraum segelte, Markus Beierle verlängerte und schließlich der Ball direkt dem drei Minuten zuvor eingewechselten Dietmar Hirsch vor die Füße fiel. Hirsch stocherte den Ball zum 1:0 ins Tor. Münchens Torhüter Oliver Kahn frustriert: "Unsere Mannschaft ist fertig, ihr fehlt die geistige Frische", sagte Kahn, "es ist ein einziges Gequäle." Auch Ottmar Hitzfeld war ähnlich resigniert. "Uns fehlt die Entschlossenheit, die Leidenschaft. Einige können einfach nicht mit dem Druck umgehen." So etwas hört man bei den routinierten Bayern selten.

Die 0:1-Niederlage ist ein weiterer Rückschlag für den Klub. Manager Uli Hoeneß ist ohnehin betrübt. Statt einem Spieler wie, sagen wir, Patrick Mölzl, möchte Hoeneß lieber einen Sebastian Kehl im Kader haben. Noch kickt der Nationalspieler in Freiburg. Doch Hoeneß nannte Kehls Transfer nach München am Mittwoch bereits perfekt. Denkste. Michael Meier, Präsident von Borussia Dortmund, meldete sich nun zu Wort: Nichts sei perfekt, sagte er. Kehl will seine Entscheidung nun erst in der Winterpause bekannt geben. Und Manager Hoeneß? Der knurrte in Rostock: "Es hat klare Absprachen mit Kehl gegeben."

In München sind sie derzeit gereizt. Die Mannschaft rutscht immer tiefer in eine Krise. Der letzte Bundesliga-Sieg datiert vom 3. November. Die Laune verschlechtert sich zusätzlich, weil sich immer mehr Stammspieler verletzen: Kuffour, Lizarazu, Sforza, Sagnol, Jeremies, Sergio, Salihamidzic. In Rostock hatte Trainer Ottmar Hitzfeld lediglich vier gesunde Feldspieler auf der Ersatzbank sitzen. Oliver Kahn stand zumindest nach seinen wochenlangen Knieproblemen wieder im Tor. Ein Hoffnungsschimmer nur, mehr nicht. In Rostock hat sich auch noch Robert Kovac verletzt: Verdacht auf Rippenbruch. Owen Hargreaves humpelte in den letzten Minuten nur noch über den Fußballplatz.

Münchens Trainer Hitzfeld sagte am späten Abend noch: "Man merkt, dass die Winterpause kurz bevorsteht. Wir haben sie auch wirklich nötig." Einen Moment lang schwieg Hitzfeld. Bevor er ging, fügte er noch hinzu: "Wir haben ein großartiges Jahr hinter uns. Nur bleibt leider der letzte Eindruck in den Köpfen hängen."

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