Sport : Gereift in der Fremde

Herthas Rückkehrer Schröder überzeugt

Stefan Hermanns

Berlin - Oliver Schröder hat zurzeit ein Imageproblem. Während des Trainingslagers von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, kurz vor einem Testspiel in Rosenheim, ging der Mittelfeldspieler durch den Kabinentrakt. „Wer woar denn des?“, fragte ein bayerischer Ordner einen Fan aus Berlin. „Der Thorben Marx, oder?“ Es kommt noch gelegentlich vor, dass Schröder mit seinem Freund und Kollegen verwechselt wird. Auch Gerhard Tremmel, Herthas neuer Ersatztorhüter, hat schon mal laut „Thorben“ über den Platz gerufen, obwohl er eigentlich Schröder meinte, und als Arne Friedrich sich an seinem ersten Arbeitstag nach dem Sommerurlaub zu den Neuen bei Hertha äußern sollte, sagte er: „Über Schröder weiß ich nicht viel.“

Das hat sich inzwischen geändert, und nimmt man den Verlauf von Schröders bisheriger Karriere zum Maßstab, wird es nicht allzu lange dauern, bis er einen ausreichenden Bekanntheitsgrad besitzt. „Im Moment kann er davon ausgehen, dass er beim Saisonstart im Kader ist“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. Möglicherweise steht der 24-Jährige in der nächsten Woche gegen den VfL Bochum sogar in der Anfangself: entweder auf der rechten Außenposition der Viererkette oder im rechten defensiven Mittelfeld. Dafür, dass von Schröder niemand etwas erwartet hat, ist das eine erstaunliche Entwicklung. Aber so ist es bei ihm eigentlich immer gewesen.

In diesem Sommer ist Schröder zum zweiten Mal zu Hertha BSC zurückgekehrt. In der B-Jugend „wollten sie mich nicht mehr“, sagt er. Damals hat man ihm erzählt, wer Hertha einmal verlässt, der kann nie mehr zurück. Schröder ging zum Spandauer BC, blieb dort ein Jahr – und trug in der A-Jugend wieder das Hertha-Trikot. Unter dem damaligen Amateurtrainer Falko Götz spielte er später in der Regionalliga, wurde 2002 – weil der Sprung in die Bundesliga noch zu groß war – an den Zweitligisten 1. FC Köln ausgeliehen, stieg mit den Kölnern auf und in der vorigen Saison wieder ab.

Schröder hat 28 Bundesligaspiele für die Kölner bestritten, 25 von Anfang an, 23 über 90 Minuten. „Man sieht, dass er sich in Köln weiterentwickelt hat“, sagt Falko Götz, der inzwischen Herthas Profis trainiert. „Es gibt aber auch noch Dinge, die er lernen muss. Dazu ist er bereit.“ Kölns Manager Andreas Rettig hat in diesem Frühjahr bei Dieter Hoeneß angefragt, ob es möglich wäre, Schröder über den vereinbarten Zeitraum hinaus zu behalten. „Wir denken nicht dran“, antwortete Herthas Manager. Schröder ist nicht nach Berlin zurückgekommen, weil der Leihvertrag auslief und er zurückkommen musste – sondern weil Hertha ihn haben wollte. „Wir haben ihn nicht geholt, um einen weiteren Spieler im Kader zu haben“, sagt Hoeneß. Für ihn haben die Berliner Denis Lapaczinski nach Rostock gehen lassen – weil sie Schröder für besser halten.

Der Umweg über Köln hat sich gelohnt. „Ich bin jetzt nicht mehr der Lehrling aus dem eigenen Verein“, sagt Schröder. Trotzdem ist der Wechsel nach Berlin wie eine Rückkehr nach Hause: Oliver Schröder ist in Berlin geboren und aufgewachsen, hat in Tegel mit dem Fußballspielen begonnen, und Hertha war schon immer „mein absoluter Lieblingsverein“.

Das hat auch familiäre Gründe: Sein Vater Jürgen hat in der Saison 1966/67, ein Jahr nach dem Zwangsabstieg der Berliner aus der Bundesliga, 16-mal für Hertha in der Regionalliga gespielt und dabei fünf Tore erzielt. Trotz der Verbundenheit zu Berlin und seinem Verein gab es für Schröder eine Bedingung, die er an sich selbst gestellt hat: „Du bist nicht zurückgekommen, um für die Amateure zu spielen.“

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