Sport : Gereizte Stimmung

Bonns Basketballer kommen zum Spitzenspiel nach Berlin

Sven Simon

Bonn. Immer, wenn es in der Tabelle der Basketball-Bundesliga an der Spitze knapper zugehe, „dann verflüchtigt sich die hauptstädtische Souveränität“, sagt Wolfgang Wiedlich. Der Präsident der Telekom Baskets spielt damit auf die negativen Aussagen an, die Alba Berlins Trainer Emir Mutapcic und Vizepräsident Marco Baldi während der Woche über die Bonner gemacht haben.

Am Sonntag (15 Uhr, Schmeling-Halle) treffen die beiden Mannschaften aufeinander. Beide stehen punktgleich an der Spitze der Bundesliga. Alba muss mit neun Punkten Vorsprung gewinnen, um die Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen und den direkten Vergleich zu gewinnen. Und weil es so knapp sei, würde der Meister nun gegen die Bonner Stimmung machen, vermutet Wolfgang Wiedlich.

Von der früheren gegenseitigen Achtung beider Klubs ist derzeit nichts zu spüren. Für Wiedlich ist Alba „wegen des Heimvorteils Favorit“. Die Streitigkeiten im Vorfeld sieht er gelassen. Kein Wunder: Er kann mit dem Abschneiden seines Teams rundum zufrieden sein. Vor der Saison musste Bonn vier Leistungsträger ziehen lassen. Und wieder einmal zeigten die Verantwortlichen, dass sie in der Lage sind, kostengünstig Spieler mit großem Potenzial zu finden. Dabei sucht Manager Arvid Kramer Profis mit einem gefestigten Lebenswandel. „Wenn ich zehnmal bei einem Spieler anrufe, und ich ihn achtmal zu Hause erreiche, ist das für uns ein Qualitätsmerkmal“, sagt er.

Trotzdem sieht Präsident Wiedlich Probleme für seinen Klub. 1979 hat er die Basketball-Abteilung bei Fortuna Bonn gegründet. Daraus entstand der heutige Klub. Es ist sein Lebenswerk. „Ich bin der einzige Präsident eines Bundesligaklubs, der in der dritten Kreisliga angefangen hat“, sagt er. Mittlerweile bestreiten seine Baskets die siebte Saison in der Bundesliga. Drei Mal standen sie im Finale, drei Mal verloren sie gegen Alba Berlin.

Würden die Bonner in diesem Jahr den Titel holen, wären sie für die Euroleague qualifiziert. Die Hardtberghalle erfüllt aber nicht die Vorgaben des höchsten europäischen Wettbewerbs. Für das Ausweichen in die KölnArena fehlt dem Klub das Geld. Also müsste Bonn wahrscheinlich ablehnen. Das könnte den Hauptsponsor vergrätzen. Für die Baskets der größtmögliche Unfall. Also redet Wiedlich nicht über Titel, sondern arbeitet an Konzepten für eine neue Halle. Die Stadt prüft, zu welchen Konditionen sie dem Verein welches Grundstück überlassen kann. Noch ist weder gesichert, wer den Bau finanziert, noch dass der Verein die Halle selber betreiben kann. In Bonn gibt es die Initiative „Pro Basket“. Dies sind einige Bonner Mittelständler und Freiberufler, die den Bau voran treiben wollen.

Eine eigene Halle ist Wiedlichs größter Traum. Und der Meistertitel.

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