Sport : Gerhard Mayer-Vorfelder: Einer muss weg

Sven Goldmann

Gerhard Mayer-Vorfelder muss weg! Der Mann hat uns einen Drogensüchtigen als Bundestrainer anschleppen wollen, so einer darf auf keinen Fall DFB-Präsident werden. Das ist einfach formuliert und noch einfacher gedacht. Natürlich war Christoph Daum der Wunschkandidat Mayer-Vorfelders, aber auch Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge haben diese Personalie vor einem Vierteljahr als großartigen Erfolg verkauft. Und wer wollte Mayer-Vorfelder anlasten, er sei über Daums Drogenkonsum nicht unterrichtet gewesen, wenn sich auch der Leverkusener Manager Reiner Calmund eine über vier gemeinsame Jahre währende Ahnungslosigkeit attestiert?

Natürlich hat Mayer-Vorfelder im Krisenmanagment versagt, aber nicht nur er. Die gesamte DFB-Führung hat in den vergangenen Wochen ein Bild kompletter Desorientierung abgegeben (wie schon bei der Inthronisierung Erich Ribbecks, der Suche nach dessen Nachfolger, der Installierung einer als überflüssig empfundenen Task Force usw.). Ewald Lienen hat dieses Chaos auf den Punkt gebracht mit seiner Bemerkung, Franz Beckenbauer sei der einzige Mann im deutschen Fußball, der an einem Tag 27 Mal seine Meinung ändern dürfe.

Es verdichtet sich der Eindruck, dass Mayer-Vorfelders Kollegen den Fall Daum nutzen, um ihn abzuschieben und damit auch von eigenen Fehlern abzulenken. Doch der Schwabe war ein gemeinsamer Kandidat, trotz aller Schwächen, die lange Zeit bekannt waren. Noch wehrt er sich - aber wie lange noch? Es mangelt nicht an Andeutungen über Verfehlungen in seinem Lebenswandel, auch wenn diese, anders als bei Daum, keine strafrechtliche Relevanz haben dürften. Die öffentliche Hemmschwelle vor dem Eindringen in die Privatsphäre ist erheblich gesunken, seitdem in der Affäre Daum die Omertá, das Gesetz des Schweigens, gebrochen wurde.

Das erinnert an den Fall Daum, das sollte sich nicht wiederholen. Legitim aber ist, eine andere Frage zu stellen: Ein Mann, der in der Politik gescheitert ist und von seinem Verein abgeschoben wird, weil er in zu kurzer Zeit zu viele Fehlentscheidungen getroffen hat - ist so ein Mann, der zudem schon 67 Jahre alt ist, geeignet, den DFB zu einem Neuaufbau zu führen? Nein, das ist er nicht. Und deswegen - aber nur deswegen - muss Gerhard Mayer-Vorfelder weg.

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