Sport : Gerhard Mayer-Vorfelder zur Schuld von Spielern und Funktionären

Herr Mayer-Vorfelder[kann der DFB mit dem Ergebni]

Herr Mayer-Vorfelder, kann der DFB mit dem Ergebnis der Mexiko-Reise zufrieden sein?

Natürlich können wir nicht zufrieden sein. Wir sind nur Gruppendritter geworden und haben das Halbfinale verpasst.

Woran lag es Ihrer Meinung nach?

Dieses Abschneiden hat mehrere Gründe, die eigentlich bekannt sein dürften. Der Mannschaft hat es an der nötigen Selbstsicherheit und am Selbstbewußtsein gefehlt. Wir beim DFB haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass wir zu einem solchen Turnier nicht mehr fahren können, wenn wir nicht die erste Garnitur von Spielern zur Verfügung haben, und die, die wir zur Verfügung haben, nicht körperlich fit sind. Das haben wir sicherlich unterschätzt.

Der DFB hat sich also überschätzt?

So nicht. Aber der Aufmerksamkeitsgrad des Konföderationen-Cups, an dem wir bisher nie teilgenommen haben, hat sich mit der örtlichen Verlagerung von Saudi-Arabien nach Mexiko, also an einen zentralen Punkt Südamerikas, wo der Fußball einen anderen Stellenwert hat, stark erhöht. Deshalb, so unsere jetzige Erkenntnis, haben wir uns damit keinen Gefallen getan.

Und den vielen Zuschauern auch nicht.

Leider. Nicht nur die Mexikaner hatten den deutschen Fußball anders in Erinnerung.

Wer muss dafür die Verantwortung übernehmen?

Verantwortung müssen alle die übernehmen, die Verantwortung beim DFB tragen, also auch ich. Jeder hat gewusst, dass es eine sportpolitische Entscheidung war, hierher zu gehen, denn wir wollten nicht noch einmal eine negative Grundstimmung bei der Fifa erregen. Weil wir schon einmal die Teilnahme verweigerten, hat man uns Hochnäsigkeit und Arroganz vorgeworfen.

Hat der DFB nicht sein Aushängeschild, die Nationalmannschaft, missbraucht?

Missbraucht würde ich nicht sagen, aber es hat dem deutschen Fußball nichts genutzt. Diese Reise während einer Trainingsphase war nicht gut für das Ansehen des deutschen Fußballs.

Bekommt Deutschland wenigstens dafür die WM 2006?

Allein mit der Bewerbung hatte das nicht zu tun. Unser Auftreten hat weder Nachteile noch Vorteile gebracht.

Das sah der DFB und mit ihm Franz Beckenbauer vor Reiseantritt noch anders, oder?

Gut möglich. In Deutschland kann man es noch rüberbringen, aber hier kam es zu einem Verlust des Ansehens für den deutschen Fußball, so wie ihn die Menschen in der Welt in Erinnerung haben.

Aber irgendeiner muss doch davon profitiert haben?

Nein, niemand. Mehr muss man dazu nicht sagen. Es hat keinen Sinn, noch tiefer zu bohren.

Teamchef Erich Ribbeck wird es dabei aber nicht bewenden lassen . . .

Erich Ribbeck ist der ärmste Kerl. Er wusste, was uns erwartet, aber er hat die Entscheidung loyal mitgetragen.

Und was ist mit den Spielern?

Man sollte ihnen keinen Vorwurf machen, sie haben die Drei-Mann-Regel nicht erfunden. Und für die jüngeren Spieler war es sicherlich schön, gesehen zu haben, wo ihre Grenzen liegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben