Gerichtsverhandlung : Ehemaliger HR-Sportchef Emig räumt "Fehler" ein

Wegen Bestechung, Untreue und Betrug muss sich Jürgen Emig, einst Sportchef des Hessischen Rundfunks, vor Gericht verantworten. Die Verhandlung eröffnete er mit Vorwürfen gegen seinen damaligen Arbeitgeber und einem Teilgeständis.

Oliver Teutsch[ddp]
Jürgen Emig
Bei seiner Anhörung. Jürgen Emig, Ex - Sportchef des Hessischen Rundfunks. -

Frankfurt/MainDer Angeklagte macht einen aufgeräumten Eindruck. In schwarzem Anzug mit weißem Hemd und mit einem silberfarbenen Alukoffer betritt Jürgen Emig am Montag den Gerichtssaal. Der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR) winkt noch einem Zuschauer im Saal, bevor er der umfangreichen Anklage der Frankfurter Staatsanwaltschaft lauscht, die ihm Bestechlichkeit als Amtsträger, Anstiftung zur Bestechung sowie Untreue und Betrug vorwirft. In der anschließenden mehrstündigen Befragung durch die 12. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts gesteht Emig zwar Fehler ein, belastet aber hauptsächlich seinen ehemaligen Arbeitgeber.

"Natürlich sind dort Fehler gemacht worden", räumt der ehemalige ARD-Radsportexperte im Plauderton ein. Danach prangert der erst am Sonntag 63 Jahre alt gewordene Angeklagte eine "mediale Vorverurteilung" an, die ihn "fast zum wirtschaftlichen Ruin" geführt habe. Überhaupt sieht sich der Angeklagte Emig vor allem als Opfer widriger Umstände.

Emig, der zwischen Anfang 2000 und Herbst 2004 insgesamt 615.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll, beklagt die "chaotische Geschäfts- und Buchführung" beim HR, durch die er bei der Finanzierung von Sportübertragungen häufig allein gelassen worden sei. Dass er diese "gewisse Handlungsunsicherheit" genutzt haben soll, um in die eigene Tasche zu wirtschaften, gibt Emig nur mittelbar zu.

Gelder für besonders nette Berichterstattung

Unter anderem geht es in dem Prozess um Zuschüsse von Sportveranstaltern, die eine Berichterstattung im Fernsehen gewünscht haben sollen. Darüber hinaus soll Emig bei Fernsehübertragungen Sponsoren auffällig gut ins Bild gerückt und dafür ebenfalls die Hand aufgehalten haben.

Abgewickelt wurden die nebulösen Geschäfte über die von Emig und seiner Ehefrau selbst initiierten Produktionsfirma SMP. Der Mitangeklagte Harald Frahm, ehemaliger Präsident des Deutschen Tanzsportverbandes, wurde als Geschäftsführer inthronisiert. Als seinen "Kardinalfehler" bezeichnet es Emig, den HR nicht über die Hintergründe der Firma SMP informiert zu haben. Darüber hinaus müssten die Verantwortlichen des HR laut Emig aber sehr wohl über die zweifelhafte Mittelfinanzierung Bescheid gewusst haben.

Der langjährige leitende Angestellte selbst gibt sich in der Befragung am Montag erstaunlich unbedarft. Er sei nie ein Kaufmann gewesen und könne heute noch keine Bilanzen lesen, sagte er. Als der Vorsitzende Richter Christopher Erhard von Emig wissen will, wo für ihn die Grenze zwischen verbotener Schleichwerbung und Sponsoring liege, entgegnet der zwischenzeitlich in dieser Sache sechs Wochen inhaftierte Emig: "Ich bin gerade dabei, mir eine Meinung zu bilden."

"Gängige Praxis bei allen Fernsehsendern."

Auf die Frage, ob die Einforderung von 30.000 Euro für das Fernsehinterview mit einem Unternehmenschef in Bezug auf Schleichwerbung nicht journalistisch bedenklich sei, antwortet Emig: "Das war gängige Praxis bei allen Fernsehsendern." Immerhin räumt der 63-Jährige noch ein, ihm sei "immer klar gewesen, dass wir uns in einer Grauzone bewegen."

Ebenfalls noch ungeklärt ist die Frage, ob Emig die ihm vorgeworfenen Straftaten als Angestellter oder - wie es die Staatsanwaltschaft sieht - als Amtsträger beging. Letzteres hätte für Emig weitreichende strafrechtliche Folgen. Richter Erhard beließ es zum Auftakt am Montag bei der Bemerkung, dass der bis Ende Oktober terminierte Prozess "eine ganze Fülle komplexer Rechtsfragen aufwirft".

Etwa ein Dutzend geladener Zeugen soll zunächst klären helfen, wie Emigs System zur Mittelfinanzierung funktionierte. Auch der frühere MDR-Sportchef Wilfried Mohren, den Emig zu ähnlichen Handlungen angestiftet haben soll, ist geladen, muss aber als Beschuldigter nicht aussagen. Der Prozess wird am 12. August fortgesetzt.

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