Sport : German Open am Ende

900 000 Euro Defizit: Das Turnier wird verkauft

Frank Bachner

Berlin – Mit Begrüßungsfloskeln hielt sich Siegfried Gießler nicht lange auf, er kam am Montagabend bei der Präsidiumssitzung des Berliner Tennisverbands gleich zu den entscheidenden Nachrichten: Der Deutsche Tennis-Bund werde die German Open von Berlin verkaufen, der Vertrag sei aber noch nicht unterschrieben. Und: Die German Open 2004 hätten ein Minus von 900 000 Euro verursacht. Das waren die Kernaussagen des Verbandspräsidenten. Gießlers Zuhörer hätten ziemlich ungerührt zugehört, erzählt ein Teilnehmer. Es stand ja zu erwarten, dass das hochkarätigste Damen-Tennisturnier in Deutschland als finanzielles Debakel enden würde.

Kein Wunder also, dass der Bundesausschuss des Deutschen Tennis Bundes (DTB), in dem auch die Landesverbände sitzen, vor kurzem mit klarer Mehrheit dem Verkauf des Turniers zugestimmt hat. Der DTB und die Landesverbände müssen für das Defizit aufkommen. Immerhin aber, sagte Gießler am Montagabend, müsse sich der Berliner Verband nicht mit 20 000 Euro an der Begleichung des Defizits beteiligen, wie der DTB gefordert habe, sondern nur mit 5000 Euro.

Der Käufer der Turnier-Lizenz steht allerdings noch nicht fest. „Bis jetzt gibt es nur eine Absichtserklärung eines potenziellen Käufers“, sagt Ulrich Kroeker, der Vizepräsident des DTB. Als neuer Austragungsort könnten mehrere Städte in Frage kommen: Monaco, Schanghai, Singapur oder eine Stadt in Spanien. „Am Freitag dürfte wohl eine Entscheidung fallen“, sagt Georg von Waldenfels. Der Präsident des DTB war gestern beim Kalenderkongress der Damen-Tennis-Organisation WTA in London. Dort verhandelte er über den Verkauf der Lizenz. Die Zeit drängt. Bis 30. Juni muss klar sein, wer den Wettbewerb ausrichtet und wo er stattfindet. Rund sechs Millionen Dollar wird der DTB für die Lizenz wohl erhalten. Das Geld braucht der Verband auch dringend. Schließlich hat auch das Herren-Turnier in Hamburg ein Defizit von rund einer Million Dollar gemacht.

Auf jeden Fall: Die German Open als Topveranstaltung, ausgerichtet vom LTTC Rot-Weiß, das ist Vergangenheit. „Wir können uns ein Turnier der höchsten Kategorie finanziell einfach nicht mehr erlauben“, sagt von Waldenfels. Aber er flog nicht nur aufgrund der Verkaufsgespräche nach London. „Das hätte ich auch zu Hause erledigen können.“ Der DTB-Chef redet mit der WTA auch über eine Lizenz für ein so genanntes T-2-Turnier, die zweithöchste Turnier-Kategorie. Bei einem T-2-Wettbewerb werden nur rund 650 000 Dollar Preisgeld gezahlt. In diesem Jahr dagegen musste der DTB bei den German Open, dem T-1-Turnier, noch 1,3 Millionen Dollar an Prämien überweisen.

„Die sportlichen Unterschiede sind gering“, sagt Hans-Jürgen Jobski, der Präsident des LTTC Rot-Weiß. Bei einem T-1-Turnier garantiert die WTA den Auftritt von sieben Spielerinnen der Top Ten der Weltrangliste, bei einem T-2-Turnier sind es etwas weniger. Ein solches T-2-Turnier würde in Berlin nach dem Willen von Jobski im Mai stattfinden – wie bislang die German Open. „Wir veranstalten dann wie bisher vor den French Open.“ Der Käufer der T-1-Lizenz werde sein Turnier im August ausrichten.

Doch diesen Zeitplan hält DTB-Vizepräsident Kroeker für völlig unmöglich. „Ich gehe davon aus, dass der Käufer der Lizenz ein Sandplatzturnier veranstaltet, und dann muss es vor den French Open stattfinden.“ Im August läuft schon die Hartplatz-Saison, als Vorbereitung auf die US Open, die am 30. August beginnen. „Und in diesen Zeitraum legt die WTA niemals ein Sandplatzturnier“, sagt Kroeker.

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