Sport : German Open: Am Netz passiert

Stefan Hermanns

Weiß noch jemand, wie es angefangen hat? Und wann? Erinnert sich noch jemand an die erste Erregung? Tennisspieler, die unflätig stöhnen, wenn sie auf den Ball einschlagen. Himmelherrgottnochmal. Ist lange her. Erst haben sich alle standesgemäß echauffiert. Dann haben sie sich daran gewöhnt. Und heute registriert es kaum noch jemand. Wer in der Einflugschneise eines Großflughafens wohnt, hört schließlich auch nicht mehr, wenn ihm ein Jumbojet übers Dach donnert.

Zum Thema Online Spezial: Ladies German Open 2001 Natürlich gibt es immer noch paar ewige Pessimisten, die wehmütig der Zeiten gedenken, als die Hemden weiß und die Schläger aus Holz waren und die Spieler sich entsprechend verhielten. Allein, es wird nichts mehr ändern. Wir leben mit dem Stöhnen und registrieren mit der Neutralität eines Wissenschaftlers, dass kein Stöhnen wie das andere klingt. Jelena Dokic stöhnt am lustigsten. Es hört sich so an, als müsse sie bei jedem Schlag niesen: Nkschi. Bei Angeles Montolio nimmt der Laut einen langen Anlauf: Nnnnnöh. Barbara Schetts akustischer Ausstoß verrät große Entschlossenheit: Nhü! Martina Müller stöhnt klassisch: Äh!, Miriam Schnitzer ungewöhnlich: Ünh. Ihre gestrige Gegnerin Nathalie Tauziat stöhnte nicht, sie fluchte. Doch das ist eine andere Geschichte.

Wir wissen nicht, ob Spielerinnen, die stöhnen, besser spielen als die, die es nicht tun. Wir wissen auch nicht, ob früher mehr gestöhnt wurde und der Höhepunkt der Stöhnwelle bereits überschritten ist. Vielleicht stöhnen die meisten Spielerinnen ohne Grund - so wie Fußballer ohne erkennbaren Nutzen Rotz und Wasser auf den Rasen spucken. Es gibt Theorien, dass es den spuckenden Männern darum geht, ihr Revier zu markieren. Welche Theorie uns zu stöhnenden Tennisspielerinnen einfällt, schreiben wir lieber nicht.

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