German Open : Berlin spielt endlich mit

Sabine Lisicki tritt bei den German Open an und lässt die Veranstalter optimistisch planen.

Anke Myrrhe

Berlin - Der Erfolg der Berlinerin Sabine Lisicki kommt ihnen gerade recht. Die arabischen Veranstalter der „Katar German Open“ hatten gerade entschieden, sich langfristig in Deutschland zu engagieren, da taucht eine junge Berlinerin auf, die es mit der Weltspitze im Tennis aufnehmen will und die das auch könnte. Sie ist beim LTTC Rot-Weiß in Berlin groß geworden, dem Organisator der internationalen deutschen Tennismeisterschaften, kurz German Open, die vom 5. bis 11. Mai im Grunewald ausgetragen werden. Bei dem Turnier in ihrem Heimverein wird Lisicki in jedem Fall antreten. Sehr zur Freude der Katari.

„Sie wird eine Wildcard erhalten“, bestätigte Ayman Azmy, Turnierdirektor der German Open. Denn derzeit ist Lisicki nur die Nummer 130 der Welt. Obwohl in diesem Falle das „nur“ eine Untertreibung darstellt. Seit Beginn des Jahres hat die 18-Jährige einen riesigen Sprung in der Weltrangliste gemacht und bewiesen, dass sie bereits mit den Besten der Welt mithalten kann. Sie überzeugte zuletzt als Qualifikantin bei den Australien Open mit dem überraschenden Einzug in die dritte Runde, wo sie nur knapp unterlag. Am vergangenen Wochenende setzte sie bei ihrem ersten Fed-Cup-Einsatz gegen die USA mit einem Sieg über die ehemalige Weltranglistenerste Lindsay Davenport noch einen Erfolg drauf. Das überzeugte auch die Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner: „Sabine hat sich bei ihrem Fed-Cup-Debüt sehr gut präsentiert.“

Diese Vorstellungen wecken aber auch Erwartungen. Die Veranstalter haben laut Azmy einen Wunsch: „Unser Traum ist es, einmal eine deutsche Siegerin in Berlin zu haben.“ Auch deshalb planen die Katari anscheinend langfristig mit Deutschland. Zumindest vermittelt der Turnierdirektor, der auch am Hamburger Rothenbaum-Turnier der Männer beteiligt ist, diesen Eindruck. Gestern kündigte er an, sich auch über das Turnier hinaus engagieren zu wollen – in der Nachwuchsförderung. „Wir haben bereits mit der Turnierleitung in Halle gesprochen und werden auch auf die fünf anderen deutschen Turniere zugehen“, berichtete Azmy. Zusammen wolle man zur Ausbildung des Nachwuchses beitragen, gemeinsam mit dem Deutschen Tennis-Bund (DTB). Die Katari jedenfalls scheinen, entgegen der Befürchtungen vieler im Tennis, in Berlin bleiben zu wollen.

Seit dem Einstieg der Katar Tennis Federation 2005 bei den German Open befürchteten viele Beteiligte, Scheich Mohamed Bin Faleh Al Thani, Präsident der Qatar Tennis Federation, würde den Berlinern ihr traditionsreiches Turnier wegnehmen und nach Doha entführen. Das WTA-Turnier gehört zum höchsten Rang der Frauenturniere, war jedoch in den Jahren zuvor in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Doch die Katari haben die Ankündigung „Wir sind gekommen um zu bleiben!“ – die sie im vergangenen Jahr während des Turniers auf T-Shirts gedruckt über die Anlage des LTTC Rot-Weiß trugen – vorerst wahrgemacht. Sie sind wieder da und präsentieren wie im vergangenen Jahr, als acht der besten zehn Spielerinnen der Welt in Berlin angetreten sind, wieder eine Spitzenbesetzung. Neben der Vorjahressiegerin Ana Ivanovic wird im Mai auch die Weltranglistenerste Justine Henin zum siebten Mal in Berlin antreten.

Von einem Rückzug der Veranstalter nach Katar ist in naher Zukunft wohl kaum auszugehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar