Sport : German Open: Lichtblicke im Sonnenschein

Ernst Podeswa

Für heute Punkt 12 Uhr ist bei den German Open eine Pressekonferenz angesetzt. Das Thema ist aktuell: "Die Situation im deutschen Damentennis". Auskunft wollen geben Walter Knapper, Sportwart des Deutschen Tennis-Bundes, Markus Schur, Teamchef, und Gerald Marzenell, B-Kader-Trainer des DTB.

Die Fragen dürften nach dem gestrigen Geschehen beim bedeutendsten Damentennis-Turnier auf deutschem Boden nicht so kritisch ausfallen, wie zuvor erwartet. Drei deutsche Spielerinnen kamen in die zweite Runde. Die Deutsche Meisterin Miriam Schnitzer (Ingolstadt), mit einer Wildcard ins Hauptfeld gelangt, setzte sich gegen die Qualifikantin Francisca Schiavone (Italien) 7:5, 6:1 durch. Ihr gleich taten es Jana Kandarr (Neu-Ulm) beim 1:6, 6:3, 6:4 über die Holländerin Miriam Oremans, die 18-jährige Martina Müller (Hannover) schaffte mit dem 6:1, 6:4 über die Französin Anne-Gaelle Sidot die größte positive Überraschung. Martina Müller hatte wie Jana Kandarr den kräftezehrenden Umweg über die Qualifikation gemeistert und schaltete als 246. der Weltrangliste eine mehr als 200 Plätze vor ihr positionierte Gegnerin aus. Für die Berlinerinnen Marlene Weingärtner und Syna Schmidle war das Turnier dagegen nach Niederlagen gegen Sandrine Testud (Frankreich) und Karina Habsudova (Slowakei) schon nach der ersten Runde beendet.

Die nächsten Gegnerinnen der Deutschen Damen sind ungleich stärker. "Gegen die Belgierin Justine Henin habe ich bisher zweimal verloren und dabei ganz schlecht ausgesehen. Es kann eigentlich nur besser werden", sagte die 24-jährige Jana Kandarr nach ihrem dritten Dreisatzsieg, inklusive der beiden Partien in der Qualifikation. Martina Müller bekommt es nun mit einer der erfahrensten Topspielerinnen zu tun, der Berliner Vorjahrssiegerin Conchita Martinez aus Spanien. Und Schnitzer misst sich mit der Routine und dem Können der langjährigen Top-Ten-Spielerin Nathalie Tauziat (Frankreich).

"Die Sonne war wie eine Erlösung", befand Jana Kandarr nach dem drastischen Wetterumschwung am Hundekehlesee auf mehr als 20 Grad. "Bei Wärme spiele ich viel lieber als bei nasskalten Bedingungen." Dass sie als gegenwärtig hinter Anke Huber (16.) und der Berlinerin Marlene Weingärtner (41.) drittbeste Deutsche (60.) in der Weltrangliste mit Miriam Oremans (derzeit 77.) bis in den Schlusssatz hinein Probleme hatte, hängt aber kurioserweise auch mit dem wärmenden Sonnenball zusammen. "Von der einen Seite musste man beim Aufschlag direkt ins gleißende Licht blicken. Das war nicht leicht." Im dritten Satz kamen ihr kurzzeitig ein paar Wolken zur Hilfe, als sie wieder gegen das Blendlicht am Himmel servieren musste.

Marlene Weingärtner, die unmittelbar nach Kandarr auf dem Centre Court in Aktion trat, brachte nicht die erforderliche Nervenstärke auf. Als sie den ersten Satz gegen die Französin Sandrine Testud (Nr. 20 der Welt) im Tiebreak 4:7 abgegeben hatte, war ihre Widerstandskraft auch schon gebrochen. Sandrine Testud hatte im zweiten Satz beim 6:2 leichtes Spiel. Marlene Weingärtner konnte somit ausgerechnet bei ihrem Heimspiel den Aufwärtstrend der jüngsten Wochen mit guten Resultaten und überzeugenden Auftritten nicht fortsetzen.

Was aber andererseits verhindern dürfte, dass die DTB-Führungskräfte bei der heutigen Analyse die Lage im deutschen Damentennis als gebessert verkaufen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben