Sport : German Open mit Tennis und Mini-Messe

Frank Bachner

Berlin - Scheich Mohamed bin Faleh al Thani lächelte, als er die schlechte Nachricht verkündete: „Wir haben im vergangenen Jahr keinen Gewinn gemacht.“ Das überrascht nicht wirklich, die German Open in Berlin, das hochkarätigste Frauen-Tennisturnier in Deutschland, sind seit ein paar Jahren ein Minusgeschäft. Andererseits: Der Scheich kann’s verschmerzen. Er ist nicht bloß Präsident des Tennisverbands von Katar, sondern auch Mitglied der herrschenden königlichen Familie. Er hat genug Geld. Seit 2005 veranstalten die Katarer das Turnier, und die wichtigste Frage lautet seither: Wie lange findet das Turnier noch in Berlin statt? In diesem Jahr auf jeden Fall noch, genau gesagt: vom 8. bis 14. Mai auf dem Gelände des LTTC Rot-Weiß. Und nächstes Jahr? Das lässt der Scheich im Klubhaus des LTTC, bei einer Pressekonferenz, offen. Aber damit sich der Scheich noch möglichst lange für Berlin entscheidet, will Hans-Jürgen Jobski, der Vorsitzende von Rot-Weiß, beim Turnier „eine Art Minibusiness-Messe aufbauen“. Hier sollen Katarer wichtige Kontakte zu noch wichtigeren Wirtschaftsleuten aufbauen. „Versicherungen, Banken, Baumaschinen, Flugzeugbau, diese Bereiche sind dafür interessant. Das geht hin bis zu Airbus“, sagt Jobski. Und gleichzeitig soll der Scheich neue Sponsoren finden. An Geldgebern aus Deutschland mangelt es derzeit.

Im Gegenzug erhält Rot-Weiß unter anderem Geld. Der Klub hat jetzt wieder eine Frauen- und eine Männer-Bundesliga-Mannschaft, und den Gesamtetat dieser Teams finanzieren die Katarer. Dafür aber darf in der neuen Saison der ersten Frauen-Bundesliga, die in zehn Tagen beginnt, eine junge, hoffnungsvolle Spielerin aus Katar für die Berliner antreten. Außerdem dürfen die Katarer im Sommer diverse Talente nach Berlin zum Training schicken. Dort ist es zu diesem Zeitpunkt kühler als im arabischen Katar.

Beim Turnier 2006 treten, laut Plan, unter anderem die Weltranglisten-Erste Amelie Mauresmo (Frankreich) und Titelverteidigerin Justine Henin-Hardenne aus Belgien an. Vor allem aber: Auch Martina Hingis will kommen, die Schweizerin und frühere Weltranglisten-Erste. Sie hat ihre fünfjährige Wettkampfpause in Berlin beendet.

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