Sport : Germanisches Dorf

Im Süden von Bahia entsteht ein WM-Quartier für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

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Willkommen im Camp. Wenn das Ferien-Ressort „Campo Bahia“ mehr ist als eine Grafik, kann das Fußball-Nationalteam einziehen. Foto: dpa
Willkommen im Camp. Wenn das Ferien-Ressort „Campo Bahia“ mehr ist als eine Grafik, kann das Fußball-Nationalteam einziehen. Foto:...Foto: dpa

Berlin - Wenn die Gruppenauslosung vor einer Woche in Costa do Sauipe der Fußball-Weltmeisterschaft ihr Gesicht gegeben hat, so hat die deutsche WM-Mission nun ihren Namen bekommen. „Campo Bahia“ heißt die Anlage, die dem deutschen Tross während der Endrunde als Basisquartier dienen wird. Demnach werden Joachim Löw und seine Mannschaft am 7. Juni nach Brasilien aufbrechen und einen Tag später die Anlage im 1000-Einwohner-Dorf Santo André beziehen, also acht Tage vor dem ersten Gruppenspiel am 16. Juni in Salvador gegen Portugal. Die WM wird bereits am 12. Juni starten. „Ich bin sicher, dass wir uns sehr wohlfühlen werden“, sagte Oliver Bierhoff.

Der Manager der Nationalmannschaft begründete, warum die Wahl auf jene Anlage fiel, die sich an der Atlantikküste des Bundesstaates Bahia knapp 30 Kilometer nördlich von Porto Seguro befindet. „Wir können dort ebenso trainieren wie regenerieren und uns konzentrieren.“ Wichtig sei die Kompaktheit der Anlage. Es gebe viele Möglichkeiten, sich zurückzuziehen, gleichzeitig aber einen zentralen Bereich, der den Teamgedanken fördere. „Alles spielt sich auf relativ kleinem Raum ab. Ich bin sicher, dass sich dies positiv auf Atmosphäre und Stimmung innerhalb unserer Gemeinschaft auswirken wird.“

Das „Campo Bahia“ bietet einen Dorf-Charakter, es besteht aus 65 Wohn- und zusätzlichen Funktionsräumen. Trainingsplatz und Medienzentrum sind in fünf Minuten erreichbar. „Bei der WM 2010 hat sich gezeigt, dass kurze Wege zwischen Mannschaftsquartier, Trainingsplatz und Medienzentrum sehr wichtig für alle Beteiligten sind“, sagte Bierhoff.

Die Anlage liegt in der Klimazone wie die drei Vorrunden-Spielorte, also im tropischen Hitzegürtel des Landes. Damit ist die infrastrukturelle Anbindung gegeben. Der Flughafen von Porto Seguro ist in 45 Minuten zu erreichen. Von dort wird die Flugzeit nach Salvador, Fortaleza und Recife zwei Stunden nicht übersteigen. „Angesichts der Größe des Landes und der teilweise sehr weiten Distanzen zwischen einzelnen Spielorten war uns wichtig, die Reisestrapazen weitestgehend zu minimieren“, sagte Bierhoff.

Noch aber befindet sich das „Campo Bahia“ im Bau. Die Fertigstellung erfolgt im Frühjahr 2014. So sagt es der Plan. Nervös werde er deswegen nicht, sagte der Teammanager. „Wir haben die Zusage, dass bis März alles fertig ist.“ Hinter dem Projekt unweit von Cabralia, dem Entdeckungsort Brasiliens, steht eine Unternehmer-Familie aus München. Bierhoff widersprach Berichten, wonach der DFB sich seine eigene Anlage anfertigen lasse. „Das wird nicht für uns gebaut. Es wird auch nicht nach unseren Wünschen gebaut.“ Allerdings werde man in der Bauphase Einfluss auf Kleinigkeiten nehmen können.

Auf dem rund 15 000 Quadratmeter großen Sport- und Naturressort werden 14 zweigeschossige Wohnhäuser errichtet. Die Häuser bilden einen Ring um den zentralen Gebäudekomplex, in dem sich neben der offenen Küche und der Poolanlage auch alle Funktionsräume befinden werden. Mit der Festlegung des Basiscamps bekommt nun auch die direkte Vorbereitung konkrete Formen. Diese beginnt mit einem Länderspiel am 13. Mai in Hamburg gegen Polen. Ursprünglich war Mainz als Austragungsort für dieses Spiel vorgesehen, wo nun am 6. Juni ein drittes Länderspiel stattfindet, das letzte vor dem Abflug nach Brasilien. Der Gegner ist ebenso noch offen wie der für das Testländerspiel am 1. Juni in Mönchengladbach.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Testspiel trägt die Nationalmannschaft ein Trainingslager im Passeiertal in Südtirol (21. bis 31. Mai) aus. Vor dem dritten Testspiel erhalten die Spieler am 3. und 4. Juni noch einmal zwei Tage für ihre Familien. Am 5. Juni trifft sich der Tross in Mainz, von wo es einen Tag nach dem Testspiel nach Brasilien geht. Dort findet dann bis zum WM-Auftaktspiel quasi ein zweites Trainingslager statt.

Angedacht war hier ein mehrtägiger Aufenthalt in Uruguay, doch wegen der völlig anderen klimatischen Bedingungen hat man dieses Vorhaben fallen lassen. „Wir wollen frühzeitig unser Quartier beziehen, um genug Zeit zu haben uns zu akklimatisieren“, sagte Löws Assistenztrainer Hansi Flick. „Wir freuen uns sehr auf diese Phase und werden gut vorbereitet in die WM starten.” Michael Rosentritt

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