Sport : Gerüchte und Gelüste

Vor Uefa-Cup: Werder kämpft um seine Stars

Frank Hellmann

Bremen - Blaue Stunde nennt sich die Zusammenkunft, die Werder Bremen vor Reisen im Europapokal ansetzt und deren Ursprung bis in die Ära Otto Rehhagel reicht. Dahinter verbirgt sich für Medienvertreter ein Plaudern mit der Chefetage der Grün-Weißen, die dem Ritual auch am Morgen im Vip-Raum des Bremer Flughafens folgten. Cheftrainer Thomas Schaaf und Sportchef Klaus Allofs trugen den dunkelgrauen Klubanzug und die grün schimmernde Krawatte. Doch irgendwie hätte die Vorfreude auf das heutige Uefa-Cup-Halbfinale bei Espanyol Barcelona (20.45 Uhr/live bei Sat 1) größer sein können.

Was damit zu tun hat, dass der Bundesliga-Zweite fast täglich Wechselgerüchte und Wechselgelüste seiner Leistungsträger kommentieren muss. Will Torsten Frings wirklich zu Juventus Turin? Wann entscheidet sich Miroslav Klose? Kann Diego dem Werben von Real Madrid widerstehen? Die Spekulationen reißen nicht ab. Klose soll sein Haus in Bremen-Lesum gekündigt haben, was ein Indiz für einen Weggang wäre. „Stimmt nicht“, sagte Klose, „wenn es so wäre, könnte ich es ja sagen.“ Sein Berater Alexander Schütt sagt, dass alles Quatsch sei, genauso wie das Gerücht, dass Klose am Montag am Airport-Hotel in Hannover mit Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld über einen Wechsel zum FC Bayern gesprochen habe. Andererseits soll es mehrere Zeugen für dieses Treffen geben. Fakt sei, sagt der Berater: „Wir führen mit Werder weiter gute Gespräche.“ Allofs hält es inzwischen für wahrscheinlicher, dass Klose geht.

Anders verhält es sich bei Spielmacher Diego, der auf dem Wunschzettel von Real Madrid stehen soll. Genervt ließ Allofs übermitteln, man wolle den Spieler nicht abgeben. Diego teilte mit, er sei glücklich an der Weser. Doch die Aufregung stört die Bremer Entourage extrem, die gestern im Hotel AC Miramar am Plaza Carlos Ibánez im Zentrum von Barcelona Quartier bezog. „Angenehmer wäre es sicher, wenn das nicht ständig zum Thema gemacht würde“, sagt Schaaf. Ansonsten geben Bremens Vordenker Gelassenheit vor, weil man zuletzt beinahe alle Abgänge (Mladen Krstajic, Ailton und Fabian Ernst zu Schalke 04, Claudio Pizarro und Valerien Ismael zu Bayern München, Torsten Frings zu Borussia Dortmund) mehr als gleichwertig zu ersetzen wusste. „Jeder Weggang hat uns eine neue Möglichkeit eröffnet“, betont Allofs, „so viel Vertrauen haben wir in unsere Gruppe.“

Seit geraumer Zeit verfügt er auch über mehr Geld: Die vierte Teilnahme an der Champions League in Folge winkt, die vier Uefa-Cup-Runden spülen mindestens acht Millionen Euro brutto in die Bremer Kasse, der Endspieleinzug wäre weitere 1,5 Millionen Euro wert. „Der Uefa-Cup ist nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich interessant“, sagt Allofs, „außerdem bessern wir als einziger deutscher Vertreter unser Image gewaltig auf.“ Ob das auch im Wettbieten um seine Stars hilft?

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