Sport : Gesagt, gespielt

Die Gladbacher folgen Ewald Lienens Anweisungen und schlagen Meister Dortmund 1:0

Andreas Morbach

Mönchengladbach. Eines hat Ewald Lienen vor seinem ersten Spiel als Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach auf jeden Fall anders gemacht als sein Vorgänger Hans Meyer. Nicht die direkte Strecke quer über den Rasen wählte er, um in seine Coaching-Zone zu gelangen, sondern einen Umweg: Zwischen Tor und Nordkurve flanierte der neue Mann am Bökelberg im offiziellen Vereins-Zweireiher vorbei. Vielleicht, um sich auf dem tiefen Geläuf nicht die Schuhe dreckig zu machen. Ziemlich sicher, um dem Mönchengladbacher Anhang Nähe zu signalisieren. Dann marschierte er zu seinem Trainerbänkchen, legte seinen grauen Schal ordentlich ab und hängte ihn sich erst um 17.15 Uhr wieder um. Sekunden, nachdem seine stark abstiegsgefährdeten Gladbacher den Deutschen Meister Borussia Dortmund 1:0 besiegt hatten.

In Mönchengladbach ist geschehen, was nach Trainerwechseln häufig passiert: Die Spieler strengen sich im Training unter der Woche wieder ein bisschen mehr an als zuvor. Die, die spielen dürfen, versuchen dann artig das umzusetzen, was der neue Vorgesetzte von ihnen verlangt. Und – am wichtigsten – sie haben plötzlich das Glück, das ihnen vorher fehlte. Denn allzu schön war das in der Tat nicht anzusehen, was die unsicheren Gladbacher und die phlegmatischen Dortmunder vor allem in der ersten Hälfte zeigten. „Es geht für uns nicht um Schönheitspreise“, sagte Lienen mit wachem Blick auf die Grundbedürfnisse eines Abstiegskandidaten. „Für uns war es nur wichtig, das wir punkten.“ Sie haben gepunktet, dank des Kopfball-Tores des Finnen Mikael Forssell in der 63. Minute, und sie haben damit die Abstiegsränge verlassen. Dabei nahm Lienen gegenüber der Vorwoche keine personelle Veränderung vor. Jetzt hatten sie endlich ihr Erfolgserlebnis, und Torschütze Forssell wusste, warum: „Wir alle wollten unserem neuen Trainer zeigen, dass wir Fußball spielen können.“ Vor allem haben sie Ewald Lienen gezeigt, dass sie in der Lage sind, seine Wünsche umzusetzen. Was gegen Dortmund bedeutete: aus extremer Defensivhaltung heraus geduldig auf die zwei, drei Chancen zu warten, die sich dann meist in einem Fußballspiel bieten – und eine davon zu nutzen. Gesagt, getan.

„Wir haben sehr diszipliniert gespielt“, befand Torwart Jörg Stiel. „Für die kurze Zeit, die wir mit Lienen zusammenarbeiten, war das ganz okay.“ Sein Trainer sah dabei keinen Grund, sich für die Mauertaktik im eigenen Stadion zu entschuldigen. „Niemand kann erwarten, dass wir uns mit Borussia Dortmund eine offenen Feldschlacht liefern“, sagte Lienen und freute sich nach dem gelungenen Debüt über den zuvor erbetenen Beistand des Schicksals: „Wir hatten das Glück, in Führung zu gehen. Und diese Führung haben wir dann mit vereinten Kräften verteidigt.“ Und vereinte Kräfte werden für das personell durchschnittlich besetzte Team vom Bökelberg der wichtigste Trumpf im Kampf um den Klassenerhalt sein. Demonstrative Nähe zu den Fans gehört dazu.

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