Sport : Geschäft schlägt Schönheit

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Richard Leipold über die wahre Stärke der Bayern und der Dortmunder

Heiligt der Zweck doch die Mittel? Nicht immer und überall, aber in der FußballBundesliga. Wer wüsste das besser als Tabellenführer Bayern München und Meister Borussia Dortmund. Die beiden Spitzenkräfte des deutschen Fußballs haben am Wochenende wieder ihre wichtigste Stärke ausgespielt, den Zweckfußball, der sich durchgesetzt hat gegen den Spaßfußball, dessen Sympathiepunkte die realen Punkte nicht aufwiegen.

Schalke war Meister der Herzen, Leverkusen Meister der Tränen, aber am Ende führten in den vergangenen beiden Jahren Bayern und Dortmund die Tabelle an. Diese beiden Klubs mögen viele Südländer in ihren Reihen haben. Doch letztlich setzt sich solide Wertarbeit durch. Wer einen starken Willen besitzt und mit seinen Kräften hauszuhalten weiß, hat den meisten Erfolg. Die Herkunft der Leistungsträger spielt dabei keine große Rolle. Die Bayern führen mit beachtlichem Vorsprung; als einzigen Widersacher erkennt Manager Uli Hoeneß in der Ferne die Dortmunder Borussia, die schon acht Punkte zurückliegt. Seitdem sie aus der Champions League ausgeschieden sind, fällt es den Bayern umso leichter, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Alltag zu bewältigen, mal mehr, meist weniger meisterlich.

Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb, sondern ein Geschäft, in dem körperliche und geistige Frische mehr bewirken als ein ausgeprägter Spieltrieb. Die Münchner haben diese Erkenntnis verinnerlicht, nachdem sie in der Champions League zunächst das Gegenteil versucht hatten. Ein Vorzug der Bayern liegt darin, dass sie in der Lage sind, aus solchen Misserfolgen schneller zu lernen als andere. Da sie sich der Ökonomie stärker verpflichtet fühlen als den schönen Künsten, fällt es ihnen nicht allzu schwer, Projekte wie die verpatzte Ballettnummer wieder zu verwerfen.

Den Gegenentwurf zum Zweckfußball liefert Bayer Leverkusen. Die Leverkusener haben in den vergangenen Jahren so leidenschaftlich gegen die Regel vom Zweck, der die Mittel heiligt, verstoßen wie keine andere Mannschaft. Dass sie sich dem Schönen des Fußballs verschrieben haben, mag die Attraktivität des Spiels erhöhen, aber es passt nicht in die Zeit. Bayer hatte aus dem schönen Spiel einen moralischen Anspruch auf Erfolg hergeleitet. Das Ergebnis hat diesen naiven Glauben widerlegt. Darüber jammern die Leverkusener fast so sehr wie im Frühjahr über die verpasste Meisterschaft – mit einem Unterschied: Nun jammern sie mit Recht. Der Punktzahl nach sind sie in Abstiegsgefahr. Diese gefährliche Lage verlangt ihnen etwas ab, was sie bisher nicht vermocht haben. Die Leverkusener müssen ihr Spiel zweckdienlicher gestalten. Zumindest bis sie aus dem Gröbsten raus sind. Der Zweckfußball siegt weiter.

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