Sport : Geschäft statt Glanz

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Stefan Hermanns über ein wichtiges Jahr für die FußballNationalmannschaft

Die „Bild“-Zeitung, das Blatt, das wie kein zweites die geheimen Wünsche des Volkes kennt, hat in ihrer Silvesterausgabe all die Schlagzeilen veröffentlicht, „die wir uns für 2003 wünschen“. An erster Stelle steht dort: „Deutschland Weltmeister!!! Ronaldo war gedopt! Brasilien gibt Titel zurück!“ Vermutlich wird es nicht so kommen. Und selbst wenn: Würde es unter diesen Voraussetzungen spontane Zusammenrottungen auf Straßen und Plätzen geben? Eher nicht.

Im Jahr 2003 gibt es für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und ihren Teamchef Rudi Völler wenig zu feiern. Sie wird sich für die Europameisterschaft 2004 in Portugal qualifizieren, vermutlich eher geschäftsmäßig als glanzvoll: mit einem 2:1 in Schottland, einem 1:0 auf den Färöern und einem 0:0 gegen den Isländer. So oder so ähnlich. Und trotzdem wird 2003 ein wichtiges Jahr für Völler werden. Es soll das Jahr des Umbruchs sein – nicht nur im Blick auf die EM in Portugal, sondern auch auf die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land.

Am 11. Oktober bestreitet die Nationalmannschaft in Hamburg gegen Island für drei Jahre ihr letztes Qualifikationsspiel; danach gibt es – von den Begegnungen bei der Europameisterschaft abgesehen – bis zur WM nur noch Freundschafts- oder bestenfalls Testspiele. Völler wird daher noch in diesem Jahr einige Talente in seine Mannschaft einbauen müssen, damit sie sich unter Druck beweisen können. Der Teamchef hat bereits angekündigt, dass der personelle Umbruch ansteht. Immerhin: Die Auswahl an geeigneten Kandidaten ist größer, als viele vor zwei Jahren noch zu denken gewagt haben. Und der öffentliche Protest wird nicht besonders heftig ausfallen, wenn Völler künftig auf Carsten Jancker, Christian Ziege und Alexander Zickler verzichtet. Noch nie war der Neuanfang so einfach wie heute.

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