Sport : Gescheitert? Niemals!

Daum hört in Frankfurt auf – Bruchhagen bleibt

Foto: dapd Foto: dapd
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Berlin - Soll bloß keiner auf die Idee kommen, dass die sportliche Pleite, die Tränen der Fans, die enttäuschten Mienen der Spieler, die erstarrten Blicke der Vereinsfunktionäre, dass das alles etwas mit ihm, Christoph Daum, Trainer-Messias, Überfigur des Fußball, zu tun hat. „Ich bin in der Zeit etwas gescheiter geworden, aber nicht gescheitert“, verkündete Daum gestern in gewohnt selbstherrlicher Art. Gescheitert ist nur Eintracht Frankfurt, die Mannschaft, die jetzt in die Zweite Liga absteigen muss.

Christoph Daum dagegen, 57 Jahre alt, Deutscher Meister von 1992, tritt erhobenen Hauptes ab. Gestern sagte er: „Nach reiflichen Überlegungen“ seien der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und er zur Entscheidung gekommen, „dass ich den Weg frei mache und Eintracht mit einem neuen Trainer den Aufstieg in Angriff nimmt“. Bruchhagen dagegen bleibt auch in der Zweiten Liga Vorstandschef von Eintracht Frankfurt. Das verkündete Aufsichtsratschef Wilhelm Bender am späten Montagabend auf einer Pressekonferenz. Bruchhagen erhält einen Vertrag für die 2. Liga bis zum 30. Juni 2012. Nun soll möglichst schnell ein Sport-Manager installiert werden. Dieser soll Einfluss auf die Suche nach einem neuen Trainer und die Zusammensetzung des Spielerkaders nehmen. Dass Daum nicht mehr weitermachen würde, war im Prinzip schon nach dem letzten, entscheidenden Spiel klar.

Die große, heftig diskutierte Frage lautet nun: Ist Daum sportlich gescheitert, oder hatte er letztlich nur Pech? Hätte Stürmer Theofanis Gekas vor wenigen Wochen in der 82. Minute das 2:0 gegen Bayern München gemacht, freistehend ungefähr sieben Zentimeter vor dem Tor, hätte es dann zum Sieg und vielleicht zur Relegation gereicht? Oder durch eine neue Dynamik nach einem Sieg sogar zum direkten Klassenerhalt?

Die Konstante in Daums Arbeit waren seine großen Töne. Den erfolglosen Torjäger Gekas entdeckte er in einem „Denkgefängnis“ und arbeitete am sofortigen Knastausbruch. Irgendwann gab er freilich selber zu: „Ich muss mich mit Phrasen über Wasser halten, denn die Fakten sprechen nicht für uns.“

Die Fakten sagten aus, dass die Eintracht von Tabellenplatz sieben abgestürzt ist und die Spieler immer verunsicherter wurden. Trainer Michael Skibbe musste gehen, 2000 Fans beobachteten das erste Training von Daum, den sie zum Heilsbringer verklärten. Der hatte das übliche Programm abgespult: Einzelgespräche, Trainingslager, Sprüche. Es half nichts. Tsp

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