Sport : Geschlagen, aber gut geschlagen

SCC-Volleyballer glänzen trotz ihrer Niederlage

Frank Bachner

Berlin - Einen Moment lang hatte man das Gefühl, dass es absolut still ist in der Sömmeringhalle. Eine Täuschung natürlich, in Wirklichkeit hatte sich am Mittwochabend bloß der hohe Dauer-Lärmpegel schlagartig verringert. Zwei Stunden lang hatten 2150 Zuschauer gebrüllt, immer wieder unterbrochen von Fanfarenstößen und dem anschließendem Schrei „Attacke“, zwei Stunden lang herrschte Partystimmung. Aber jetzt brüllte niemand mehr, jetzt saßen die Fans nur auf ihren Rängen, starrten aufs Feld, schüttelten den Kopf und sagten irgendwas in Zimmerlautstärke. Es waren die Sekunden, nachdem der Volleyball-Bundesligist SC Charlottenburg verloren hatte.

Dem Deutschen Meister VfB Friedrichshafen unterlag der SCC 2:3 (25:21, 20:25, 20:25, 25:23, 12:15). Und nach dem Moment der gefühlten Stille standen die Zuschauer auf und applaudierten. Ein Symbol für die Dramatik und das spielerische Niveau dieser Bundesliga-Partie. „Wir haben sehr, sehr gut gespielt“, sagte SCC-Trainer Michael Warm. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so nahe an Friedrichshafen dran sind.“ Friedrichshafen hatte in der Saison schon zweimal gegen den SCC gewonnen, Friedrichshafen hatte in dieser Saison bis Mittwochabend 13 von 14 Bundesligaspielen ohne Satzverlust beendet, und jetzt stand VfB-Trainer Stelian Moculescu mit finsterem Blick da und knurrte: „Nur mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, nicht mit der Leistung.“ Ein paar Meter weiter stemmte Diagonalangreifer Marco Liefke, der beste Berliner, die Fäuste in die Hüften und sagte fast verzweifelt: „Wenn ich im Tiebreak nur zwei Bälle mehr einschlage, haben wir das Ding so gut wie gewonnen.“

Dieser SCC hatte nur eine wirkliche Schwächephase, den Beginn des ersten Satzes. 1:6, 2:7, 4:8 lag der SCC dabei zurück. Libero Nisse Huttunen hatte enorme Probleme mit den harten Sprungaufgaben der Friedrichshafener, Zuspieler Jaroslav Skach konnte mit den Bällen, die er bekam, nicht viel anfangen. Friedrichshafen blockte die durchsichtigen SCC-Angriffe ab. Aber dann steigerte sich Huttunen, und dadurch kam Liefke immer stärker zum Zug. Er setzte Friedrichshafen durch harte Sprungaufgaben unter Druck, nun überzeugte er auch immer mehr im Angriff. Die Friedrichshafener Annahme geriet unter Druck, der SCC-Block punktete, und damit gewann der SCC den ersten Satz.

Die Berliner spielten zeitweise stark in der Abwehr und im Block, aber sie spielten nicht konstant genug auf diesem Niveau. Den sehr starken Friedrichshafener Jochen Schöps bekamen sie zu selten in Griff. Deshalb auch gaben sie den zweiten und den dritten Satz ab. Nur Liefke blieb dauerhaft stark.

Dass der SCC im vierten Satz sich aber zurückkämpfte, dass er mit einer starken Abwehr und im Block punktete, zeigte, wie gering der Abstand des SCC zum Champions-League-Teilnehmer Friedrichshafen geworden ist. Warm sagt auch, wie er diesen Abstand noch weiter verringern will: „In der Abwehr sind wir sowieso stärker als Friedrichshafen. Aber dort können wir noch besser werden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben