Sport : Geschlechtslose Phantomtore

Benedikt Voigt

Eigentlich ist dies eine lustige Geschichte. Wie die Fernsehbilder des Senders „Sporttv“ beweisen, hat in Brasilien ein Balljunge in einem Drittligaspiel ein reguläres Tor erzielt. Das geschah wie folgt: In der Partie Santacruzense gegen Atletico Sorocabana schoss ein Stürmer des Heimvereins den Ball in der 89. Minute knapp am Tor vorbei. Ein Junge, der neben dem Pfosten stand, beförderte ihn daraufhin ins Tor. Der Schiedsrichter erkannte den Treffer an, er hatte den wahren Schützen nicht gesehen. Der benachteiligte Verein kämpft seitdem vergeblich um eine Neuansetzung. So weit, so lustig. Doch jetzt wird’s ernst: Der Schiedsrichter war eine Schiedsrichterin.

Brasiliens Medien erwarten nun, dass eine Diskussion über Frauen im Fußball einsetzt. Die betroffene Schiedsrichterin Silvina Regina de Oliveira gilt als erfahren, sie ist auch schon in Erstligaspielen eingesetzt worden. Ein brasilianischer Kommentator warnte, nun würden wieder alle Machos kommen und versichern, die Unfähigkeit der Frauen im Fußball sei unter Beweis gestellt worden. Vielleicht aber sollte Silvina Regina de Oliveira zu ihrer Verteidigung einfach eine andere Geschichte anführen.

Im Münchner Olympiastadion schoss einmal Bayerns Verteidiger Thomas Helmer den Ball knapp neben den Pfosten, doch Schiedsrichter Hans Joachim Osmers entschied auf Anraten seines Linienrichters Jörg Jablonski auf Tor. Dieser Treffer ist als Phantomtor in die deutsche Sportgeschichte eingegangen. Es tut eigentlich nichts zur Sache, in diesem Falle aber schon: Schiedsrichter Osmers ist ein Mann. Linienrichter Jablonski auch.

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