Sport : Geschlossene Gesellschaft

Schön hört sich der Fan-Gesang nicht an, aber innovativ: "Macht sie alle, schießt sie aus der Halle", schallt es zuweilen durch die Arena Auf Schalke. Der Spruch ist sonst eher Eishockey-Fans vorbehalten, deren Spiel ja überwiegend im Saale stattfindet. Fußball dagegen gilt gemeinhin als Freiluftsport. Bis gestern. Eher Mehrzweckhallen- als Stadion-Charakter hat die neue Schalker Arena ohnehin. Doch beim 3:0-Sieg des Pokalsiegers über den SC Freiburg wurde jetzt endgültig dichtgemacht. Ein Schneesturm drohte, der Platzwart (Hallenwart?) schloss das Dach. Schalke und Freiburg spielten das erste Hallenfußballspiel der Bundesliga-Geschichte.

Dürfen die das? "Wir haben uns erkundigt, es muss nur der Schiedsrichter zustimmen", sagte Schalkes Sprecher Gerd Voss. Das war lange unklar. Ein Präzedenzfall fehlte in der Bundesliga. Bislang war Hallenfußball nur als Beschäftigungstherapie in der Winterpause vorgesehen. Mit Turnschuhen auf Filzboden. Sicherheitshalber hatte Schalke deshalb gestern auch noch das Einverständnis der Deutschen Fußball-Liga und des Gegners eingeholt. Beide hatten nichts dagegen.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das Spiel erinnerte dann aber doch eher an einen lustigen Winterpausenkick zwischen zwei unterschiedlich begabten Mannschaften. Vor 60 583 Zuschauern in der ausverkauften Arena sicherten Jörg Böhme, Gerald Asamoah und Marc Wilmots mit ihren Toren schon vor der Pause den Sieg. Sechs von sieben Spielen hat Schalke, die beste Mannschaft der Rückrunde, zuletzt gewonnen. Freiburg dagegen rutscht nach dem fünften sieglosen Spiel in Folge immer mehr ab.

Erstmals seit seinem Amtsantritt saß Schalkes Coach Huub Stevens nicht selbst auf der Trainerbank. Wegen eines Trauerfalls in der Familie. Der Holländer wurde durch Holger Gehrke vertreten. Der Kotrainer war zufrieden: "Wir haben das Selbstvertrauen, das wir uns in den letzten Spielen erarbeitet haben, mitgenommen und viel Druck gemacht. In der zweiten Halbzeit konnten wir Tempo herausnehmen", sagte Gehrke, der Stevens im Sommer nach Berlin folgt.

Schalke wirkte aggressiver und lauffreudiger. Freiburg erarbeitete sich in der ersten Halbzeit keine nennenswerte Torchance. "Bei den Gegentoren zum 0:2 und 0:3 haben wir ein schlechtes Abwehrverhalten gezeigt. Da war das Spiel leider schon entschieden", sagte Trainer Volker Finke. Im zweiten Durchgang änderte sich das Bild aber auch nicht. Die Freiburger boten für eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielt, zu wenig Gegenwehr. Schalke spielte wie im Training. Trotzdem musste Torwart Richard Golz noch einige Male eingreifen. Auf der Gegenseite verbrachte Oliver Reck in seinem 100. Bundesligaspiel für Schalke einen ruhigen Nachmittag. Dem Dach sei Dank: Wenigstens ist er dabei nicht nass geworden.

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