Sport : Geschmeidige Füße

Ronny und Sami Allagui führen Hertha BSC zum munteren 4:2-Sieg gegen den MSV Duisburg.

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Gepflegter Fußball. Herthas Spielmacher Ronny (links) begab sich vor dem Spiel gegen Duisburg zur Pediküre. Foto: dpa
Gepflegter Fußball. Herthas Spielmacher Ronny (links) begab sich vor dem Spiel gegen Duisburg zur Pediküre. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Die herrlichste Geschichte in der zurückliegenden Woche verdankt der Berliner Fußball wieder einmal Ronny. So war zu erfahren, dass Herthas brasilianischer Spielmacher bei der Fußpflege war. Diese sollte ihm die nötige Geschmeidigkeit zurückgeben, die in den letzten Wochen ein bisschen verloren gegangen schien. Vermutlich glaubt Ronny wirklich an die wundersame Wirkung. Und der Glaube versetzt bisweilen Berge. So wie Ronny gestern aufspielte, wird man bei Hertha fortan darauf drängen, dass er jede Woche die Fußpflege aufsucht.

Ronny war gestern im verschneiten und nasskalten Olympiastadion die zentrale Figur eines ungefährdeten 4:2(2:0)-Sieges über den MSV Duisburg. Das erste Tor durch Adrian Ramos bereitete er vor, das zweite schoss er selbst, das dritte durch Sami Allagui bereitete er wieder vor. Nur am vierten Tor für die Berliner hatte er keinen Anteil. Es war ein Eigentor der Duisburger. Hertha BSC festigt mit nun vier Punkten Vorsprung auf Verfolger Braunschweig die Tabellenführung in der Zweiten Liga. „Jetzt schauen wir uns gemütlich das Montagsspiel Braunschweig gegen Kaiserslautern an“, sagte Fabian Lustenberger.

Im Vergleich zur Vorwoche, der ersten Niederlage für die Berliner nach 21 ungeschlagenen Spielen, nahm Herthas Trainer Jos Luhukay drei Veränderungen seiner Startelf vor. Für den erkrankten Thomas Kraft kam Sascha Burchert zu seinem vierten Saisoneinsatz im Berliner Tor. Entscheidender aber: Für Sandro Wagner und Pierre-Michel Lasogga spielten diesmal Sami Allagui und Ronny.

Vor allem die Rückkehr Ronnys sollte sich schon in der Frühphase des Spiels auszahlen. Nach gut zehn Minuten zirkelte er die vierte Ecke für die Berliner kunstvoll in die Gefahrenzone des Duisburger Tores. Dort sprang Ramos höher als drei ihn umringende Duisburger und köpfte den Ball zur Führung ins Tor – sein neunter Saisontreffer und zum neunten Mal Herthas erster.

Die Berliner waren unter widrigen Bedingungen die agilere und spielstärkere Mannschaft. Sie attackierten die Duisburger sehr früh, vor allem im Mittelfeld hatten sie ein klares Übergewicht. Gegen Mitte der ersten Halbzeit eroberte der aufmerksame Hertha-Kapitän Peter Niemeyer im zentralen Mittelfeld den Ball und leitete sofort einen Tempogegenstoß über Peer Kluge ein. Dieser legte vor der Strafraumgrenze den Ball quer auf den mitgelaufenen Ronny, der seinerseits mit einem strammen Linksschuss auf 2:0 erhöhte. Es war bereits das 13. Saisontor für den Brasilianer.

In der Folgezeit blieb Hertha das dominante Team, trotz des geräumten aber dennoch seifigen Geläufs gelangen den Berlinern ein paar schöne Spielzüge. Vor allem in der zweiten Hälfte entsprangen so zahlreiche Torchancen, allein Allagui, dem sich insgesamt fünf hochklassige Gelegenheiten bieten sollten, hätte sich gestern berühmt schießen können.

Doch zunächst kam der MSV zum Anschlusstreffer. Verteidiger Maik Franz war zu Beginn der zweiten Hälfte für den angeschlagenen Kluge ins Spiel gekommen, Fabian Lustenberger machte für ihn in der Innenverteidigung Platz und rückte selbst vor ins Mittelfeld. Doch diese Umbesetzung sorgte für eine kurze Unordnung in der Berliner Defensive. Bei einem Angriff der Duisburger verlor Lustenberger im eigenen Strafraum einen Zweikampf, der Ball sprang irgendwie zum Duisburger Sören Brandy, der aus spitzem Winkel das 1:2 erzielte.

Doch nur wenige Minuten später verschaffte sich nun auch Allagui sein Erfolgserlebnis. Nach einem Freistoß von Ronny erzielte der Deutsch-Tunesier seinen erster Treffer seit Ende November.

Der 26 Jahre alte Allagui war inzwischen zu einer Art Alleinunterhalter geworden. „Er war heute sehr lebendig“, sagte Luhukay. Aber leider war er nicht treffsicher. Nach einer gespielten Stunde erzwang Allagui dann förmlich den Erfolg. Eigentlich hätte sein Schuss das Duisburger Tor klar verfehlt, doch Brandy lenkte den Ball ins eigene Tor zum 4:1 ab.

Es war ein munteres Spiel, das vor nur 31 635 Zuschauern zum Vortrag kam. Der MSV verkürzte durch Dustin Bomheuer noch zum 2:4, aber das Spiel war gelaufen. Am Ende bot sich Sami Allagui noch die Chance zum 5:2 – er vergab.

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