Sport : Gesicht und Fratze

Frank Bachner

Peter Joppich ist blond, sieht blendend aus, besitzt Ausstrahlung und seit ein paar Tagen zwei WM-Titel. Nach seinem ersten Einzeltitel, 2003, hat es der Florettfechter Joppich in ein Hochglanzmagazin geschafft, jetzt, nach seinem Triumph bei der WM in Italien, soll er das neue deutsche Gesicht des Fechtens darstellen. Ein steiler Aufstieg mit gerade mal zwei WM-Titeln. Aber sonst ist ja niemand da. Die Degenfrauen holten noch Bronze, das war’s dann auch an Edelmetall bis jetzt bei der WM 2006, einen Tag vor WM-Ende. Immerhin, Joppich verhinderte, dass die Fechter ihre schlechteste WM-Einzel-Bilanz seit 1974 betrauern mussten.

Sportliche Ausrutscher gab es immer wieder. Aber Deutschlands Fechter scheitern vor allem am Zwischenmenschlichen. Tauberbischofsheim Degenfechter können nicht ertragen, dass ihr Bundestrainer Walter Steegmüller aus dem Konkurrenzstandort Heidenheim kommt, Steegmüller jedenfalls klagte über permanenten Druck aus Tauberbischofsheim. Dann nervte Degenfechter Wolfgang Reich, den Steegmüller aus dem WM-Kader geworfen hatte, seine Ex-Kollegen mit E-Mails, die Athletensprecher Daniel Strigel als „unverschämt“ bezeichnete; bei den Frauen des Fechtlagers herrscht seit langem Rivalitätsdenken vor. Dazu kommt der ewige Streit, ob man strikt nach Rangliste den Kader nominieren soll. Das Gesicht des deutschen Fechtens 2006? Eher eine Fratze.

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