Sport : Gespaltene Mannschaft

Der Präsident mahnt Solidarität beim 1. FC Union an

Karsten Doneck

Berlin. Für Heiner Bertram gibt es kein Zurück mehr. Die vom Fußball-Zweitligisten 1. FC Union am Montag gegenüber den Angestellten verkündeten Gehaltskürzungen um 20 Prozent und Prämienkürzungen um 50 Prozent sollen auf jeden Fall durchgesetzt werden. Selbst dann, wenn die Spieler mehrheitlich die reduzierten Bezüge ablehnen sollten. „Ist es denn zu viel verlangt, wenn unsere Spieler mal ein halbes Jahr lang Solidarität zeigen? Der Verein wird das wieder gutmachen“, sagt Bertram. Der Union-Präsident verweist darauf, dass andere Klubs aus der Zweiten Liga weitaus größere Finanzprobleme als Union haben, nur „wir legen eben die Karten rechtzeitig auf den Tisch“.

Solche Ehrlichkeit wird nicht immer gebührend belohnt. So ist Mittelfeldspieler Heiner Backhaus, vor der Saison von Hannover 96 verpflichtet, als Erster vorgeprescht und hat verlauten lassen, dass er nicht bereit sei, das Angebot von Union anzunehmen. Eigentlich haben die Spieler noch bis zum kommenden Montag Bedenkzeit. Die meisten murren zwar hinter vorgehaltener Hand, mögen sich vorher aber nicht öffentlich äußern. Bertram ärgert sich deshalb über den Solo-Vorstoß von Backhaus. „Ihm fehlt die Reife. Er hat eine große Klappe. Aber er ist ja noch jung“, sagt Bertram über den 20–Jährigen.

Die Äußerung von Backhaus könnte eine Kettenreaktion auslösen und auch andere Union-Profis ermutigen, dem Verein für dessen Sparpläne die Rote Karte zu zeigen. „Die Mannschaft ist in sich gespalten“, sagt Bernd Hofmann, der Geschäftsführer. Spieler, die ihre Zustimmung verweigern, würden vom Arbeitgeber eine Änderungskündigung erhalten, sie könnten dann ablösefrei den Verein wechseln. Trotzdem befürchtet Union keinen Ausverkauf. „Wohin wollen die denn gehen? Die Zweitliga-Vereine sind doch alle überschuldet“, sagt Bertram. Ohnehin waren die Leistungen der meisten Union-Profis in dieser Saison bislang nicht so, dass sie für andere Klubs interessant wären.

Am Sonntag kämpft Union bei Eintracht Braunschweig wieder um Punkte. Es ist fraglich, ob die Mannschaft bei dem ganzen Streit ums liebe Geld den Kopf freibekommt, um den kleinen Aufwärtstrend – seit drei Spielen ist Union ungeschlagen – fortzusetzen. Heiner Bertram lässt indes keine Zweifel daran, dass er von den Spielern vollen Einsatz erwartet. „Wir haben doch alle mal Schwierigkeiten im Berufsleben, aber darunter kann doch nicht gleich unsere gesamte Berufsauffassung leiden“, sagt der Präsident.

Einer ging bei den Gehaltskürzungen, die jene Union-Angestellten betreffen, die über 4200 Euro brutto im Monat verdienen, mit gutem Beispiel voran. Bernd Hofmann will auf den entsprechenden Teil seines Gehalts verzichten. „Ich kann das sehr gut einschätzen und sehe keine Alternative“, sagt er. Was nicht verwunderlich ist. Hofmann gehört zum Kreis derer, die die Sparpläne ausgearbeitet haben. „Der Verein hat keine Kapitalreserven, aber auch noch kein Minus. Im März/April würden wir aber Liquiditätsprobleme bekommen. Dem beugen wir rechtzeitig vor“, sagt Hofmann. Und er mahnt: „Da müssen wir jetzt durch.“

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