Gesperrter Stürmer des FC Barcelona : Luis Suarez, Fußballer ohne Moral

Tore und Siege schlagen den Sinn für Gerechtigkeit, zumindest bei Luis Suarez. Der Uruguayer ist nach seiner Beißattacke bei der WM noch bis Ende Oktober gesperrt, hat nichts aus seiner Strafe gelernt - und die Vereine leider noch weniger. Ein Kommentar.

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Reizfigur: Luis Suarez im Training beim FC Barcelona.
Reizfigur: Luis Suarez im Training beim FC Barcelona.Foto: dpa

Die Strafe steht also im Verhältnis zur begangenen Straftat. Das hat der Internationale Sportgerichtshof Cas entschieden und die viermonatige Sperre von Luis Suarez bestätigt. Bis zum 26. Oktober darf der Stürmer zwar beim FC Barcelona trainieren, aber kein Pflichtspiel bestreiten, Uruguays Nationalteam fehlt er noch acht Länderspiele.

Suarez hat bei der WM Ende Juni einen Gegenspieler in die Schulter gebissen. Wie schwerwiegend dieser Vorfall war und welche Strafe dafür angemessen ist, darüber lässt sich endlos diskutieren. Die Frage ist, ob die Länge der Strafe überhaupt einen Unterschied macht. Abgesehen vom abstrakten Begriff Gerechtigkeit soll eine Strafe ja vor allem abschrecken, weitere Vorfälle verhindern und den Täter auch irgendwie läutern.

Suarez hat nichts gelernt - und die Vereine auch nicht

Irgendwann wird Suarez wieder spielen, Tore schießen und bejubelt werden. Das lässt sich absehen, es war auch nach den Strafen so, die er zuvor erhielt, für zwei weitere Bisse, rassistische Beleidigungen, ein Handspiel auf der Torlinie.

Suarez beißt Chiellini
Ein Beißer, dieser Luis Suárez. Obwohl man dieses Verhalten bei Uruguays Top-Stürmer schon zweimal zuvor beobachten durfte, war es die Szene in der zweiten Halbzeit des  Spiels Uruguay gegen Italien, die allgemeine Empörung und Fassungslosigkeit auslöste. Luis Suárez senkt bei einem Zweikampf abseits des Balles den Kopf und bohrt seine Zähne in die Schulter von Gegenspieler: Hier die Bilder vom Vorfall. Der gebissene Giorgio Chiellini ging nach der Bissattacke zunächst zu Boden...Alle Bilder anzeigen
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25.06.2014 09:30Ein Beißer, dieser Luis Suárez. Obwohl man dieses Verhalten bei Uruguays Top-Stürmer schon zweimal zuvor beobachten durfte, war es...

Gelernt hat er daraus wenig, die Vereine noch weniger. Gut 70 Millionen Euro Ablöse und nicht wenig Gehalt war der 27-Jährige Barcelona im Sommer wert. Trotz Sperre, die seinem Marktwert kaum schadete. Wäre er nicht gerade Torschützenkönig und Englands Fußballer des Jahres, vielleicht hätten sich die großen Klubs auf ein Gentlemen’s Agreement einigen können, diesen Spieler auf Zeit nicht mehr zu beschäftigen. Das hätte Suarez nachdenklich stimmen können. Doch Tore und Siege schlagen die Moral.

Klubs taugen nicht zur moralischen Instanz

Spätestens nach dem ersten Treffer im Clasico gegen Real Madrid werden ihn die Fans in Barcelona als Held, Märtyrer und Verschwörungsopfer feiern, wie sie es in Südamerika bereits tun. Aus Unrecht wird Legende, wie bei Maradona.

Aber wie sollen Vereine Spielern Moral beibringen? Barcelona streitet selbst vor Sporttribunalen, weiterhin droht eine Transfersperre, für die Verpflichtung Minderjähriger. Wie viele Monate Sperre wären da genug, um zu kapieren, dass man manche Spieler nicht verpflichten sollte?

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