Sport : Gesprengte Ketten

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Zu Beginn ein kleines Quiz: Willi Reimann, Friedhelm Funkel, Michael Skibbe, Christoph Daum – wer passt nicht in diese Aufzählung? Die Antwort ist vertrackt, sie passen alle, die ersten drei waren Trainer von Eintracht Frankfurt, Daum ist es gerade geworden, als Nachfolger Skibbes, die nächste Volte dieser verrückten Bundesligasaison.

Andererseits passt Daum auch wieder nicht. Nach Jahren der Seriosität in Frankfurt ist er ein Sprung zurück in die Zeiten von Klaus Toppmöller, der lebende Adler mit in die Kabine brachte, und von Dragoslav Stepanovic, der „Lebbe geht weida“ serbohesselte. Daum ist ein Zampano, wie Federico Fellinis Filmfigur aus „La Strada“: ein Zirkusartist, der mit der Brust Ketten sprengt, um das Publikum zu beeindrucken. Daum ließ Spieler über Scherben laufen und Eisenstangen verbiegen, bevor er sich – sein größter Trick – nach einem freiwilligen Drogentest selbst verschwinden ließ.

Nun ist er wieder da und sagt: „Ich bin kein Feuerwehrmann, sondern Konzepttrainer.“ Dabei ist er eigentlich Effekttrainer. Daum bringt den bisher so grauen Frankfurtern wieder Farbe, auch wenn Sachwalter bei der Eintracht meist erfolgreicher arbeiteten als Zampanos. Und Daum, der Köln 2009 verließ, weil er um Titel spielen wollte, ist zurück im Abstiegskampf. Das passt eigentlich nicht zusammen – und doch passt es perfekt: Was ist nicht alles erzählt worden vom Ende der Ein-Mann-Schausteller im Fußball? Und nun zersprengen die Daums und Magaths wieder Ketten. Wir sehnen uns doch alle nach etwas Zirkus. Wann kommt eigentlich Guttenberg zurück?

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