Sport : Gestatten, Doping

Die Basketballer von Alba Berlin machen Bekanntschaft mit einem unangenehmen Thema

Friedhard Teuffel,Benedikt Voigt

Berlin - Wenn Marco Baldi früher in den Zeitungen Geschichten über Dopingskandale las, ging es zumeist um Ski-Langläufer, Radrennfahrer oder Gewichtheber. Nicht aber um jenen Sport, in dem der Vizepräsident von Alba Berlin zu Hause ist: Basketball. „Ich habe immer gedacht, dieser Kelch geht an uns vorüber“, sagt Baldi. Seit Mittwoch um 17 Uhr weiß er: „Man darf so etwas nicht denken.“

Seit jenem Zeitpunkt ist Alba Berlin über eine positive Dopingprobe und die sofortige Suspendierung seines Profis Michael Wright durch die Dopingkommission des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) informiert. Die Berliner führen den Befund auf ein Mittel zurück, das der 24-jährige Amerikaner seit dem 14. Lebensjahr nimmt, weil er am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS, siehe Kasten) leidet. Den Namen des Mittels will Alba nicht nennen, der Verein hat einen Anwalt eingeschaltet, um gegen die Suspendierung vorzugehen. Von einer einstweiligen Verfügung, um Wright spielen zu lassen, hat Alba inzwischen abgesehen. Allerdings erwägt der Klub, im heutigen Bundesligaspiel bei Walter Tigers Tübingen unter Protest anzutreten. Die Ergebnisse in der Liga bis zu Wrights Suspendierung bleiben hingegen gültig.

Falls sich bestätigt, dass das Medikament die Ursache für die Amphetamin-Spuren in der Dopingprobe ist, gibt es eine entscheidende Frage: Genügen die zwei Atteste amerikanischer Fachärzte, die der Berliner Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt bei der Kontrolle beigefügt haben will, um den Spieler vor Dopingvorwürfen zu schützen? Normalerweise benötigen kranke Sportler bei der Einnahme von Substanzen, die auf der Dopingliste stehen, eine Ausnahmegenehmigung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). „Man kann das tun, muss es aber nicht“, sagt Schmidt. Er glaubt nach Rücksprache mit Helmut Pabst, dessen Firma PWC GmbH die Kontrolle am 19. März vorgenommen hatte, dass eine Ausnahmegenehmigung „jederzeit beantragt werden kann.“ Auch jetzt noch, nach dem positiven Dopingbefund.

Die Nada gibt jedoch eine klare Auskunft. „Ein Attest war schon immer zu wenig. Für mich ist der Fall eindeutig. Der Athlet hat versäumt, das Medikament anzumelden“, sagt der stellvertretende Nada-Vorsitzende Dirk Clasing (siehe Interview). Der Athlet sei verantwortlich für die Medikamente, die er einnehme. Angeblich hatte Wright Alba von Anfang an über die Einnahme des Mittels informiert. „Auch der Mannschaftsarzt muss sich nun Fragen gefallen lassen“, sagt Clasing.

Unklar bleibt das weitere Vorgehen. „Wir haben noch nichts vom DBB gehört“, sagte Baldi. Dort wartete man auf Albas Initiative. Der Vorsitzende der Dopingkommission, Wolfgang Hilgert, sagte bereits, es gebe keine Bescheinigung, die die Einnahme von Amphetaminen erlaube. „Das ist ungeschickt“, sagt Schmidt, „das ist eine Vorverurteilung, die bei jedem normalen Gericht zur Ablösung des Richters führen würde.“

Alba befindet sich längst auf ungewohntem Terrain. „Das sind Dinge, mit denen wir uns nie beschäftigt haben“, sagt Baldi. War der Klub beim Thema Doping vielleicht zu naiv? „Wie soll man sich darauf vorbereiten, dass die Max-Schmeling-Halle unter Wasser steht?“, erwidert der Vizepräsident. Es sieht so aus, als regne es rein bei Alba. Seit Mittwoch.

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